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Reportage

Wie der Rosengarten zu seinem Namen kam

· 1 Bewertung · von Anne Habermeier · 19.03.2019 · Reportage · Seiser Alm
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  • Foto: Erika Spengler, Outdooractive Redaktion

„Viele Grüße vom Rosengarten“ – schreibt man eine Postkarte vom Wanderurlaub in Südtirol mit genau diesen Worten, kann das bei den Daheimgebliebenen schnell mal für Verwirrung sorgen. Denn auf der Vorderseite der Karte ist kein gepflegter Garten mit herrlich blühenden Rosen abgebildet. Vielmehr prangt dort ein imposantes, gezacktes Felsmassiv. Wenn man vom Südtiroler Rosengarten spricht, geht es in der Tat um ein Bergmassiv in den Dolomiten. Doch wie kommt ein Fels zu diesem schönen, aber zugegebenermaßen sehr unalpin klingenden Namen?



Die König Laurin-Sage

Am Fuße eines hohen grauen Felsens herrschte vor langer Zeit der Zwergenkönig Laurin mit eiserner Hand über ein Zwergenvolk. Er wohnte in einem unterirdischen Palast und sein größter Stolz war ein prächtiger Rosengarten, der, anstatt von einem Zaun, von einem dünnen Seidenfaden umgeben war. Demjenigen, der den Seidenfaden zertrennte, drohte er damit, ihm Hand und Fuß abzuschlagen. Was Laurin zu seinem vollkommenen Glück jedoch noch fehlte, war eine Braut.

Eines Tages kam dem Zwerg zu Ohren, dass der König an der Etsch seine wunderschöne Tochter Similde verheiraten wollte und deshalb zu einem Turnier ausrief, bei dem sich die Bewerber messen sollten. Der Sieger würde der Gemahl von Similde werden. König Laurin bekam aber keine Einladung. Deshalb beschloss er, seine unsichtbar machende Tarnkappe aufzusetzen und heimlich zu dem Turnier zu fahren.

Nach zahlreichen, schweißtreibenden Kampfspielen taten sich die beiden Ritter Hartwig und Wittich hervor, die abschließend um die Hand von Similde kämpfen sollten. Doch bevor der Sieger ermittelt werden konnte, stellte sich heraus, dass die Königstochter verschwunden war. Es dauerte nicht lange und der Verdacht fiel auf den Zwergenkönig. Hartwig, Wittich und mit ihnen der berüchtigte Dietrich von Bern und einige andere tapfere Männer machten sich auf den Weg, um Similde zu befreien.

Der Laurin-Brunnen in Bozen: Dietrich von Bern im Kampf mit König Laurin
Der Laurin-Brunnen in Bozen: Dietrich von Bern im Kampf mit König Laurin

Am Rosengarten konnte sich Wittich vor Zorn über die Entführung nicht beherrschen. Er zerriss den dünnen Seidenfaden und trat wütend einige Rosen nieder. Schon kam der erzürnte König Laurin herangestürmt und wollte seine Drohung wahrmachen. Da schritt Dietrich ein und kämpfte gegen den Zwergenkönig. Dieser nutzte allerdings nicht nur seine Tarnkappe, sondern auch einen Zwölfmännergürtel, der ihm die Kraft von zwölf Männern verlieh. Das erschwerte Dietrich den Kampf. Bald jedoch erkannte er an den sich bewegenden Rosen, wo sich Laurin befand und schaffte es schließlich, ihm Zaubergürtel und Tarnkappe abzunehmen und ihn zu überwältigen.

Da öffnete sich ein riesiges Tor in den Felsen und die schöne Similde trat heraus. Sie dankte den tapferen Rittern für ihre Befreiung, bat sie aber auch mit Laurin Frieden zu schließen, da er sie gut behandelt hatte. Und so schlossen die Ritter mit Laurin Frieden, der sie daraufhin in sein Felsenschloss einlud. Dort wurden sie bestens bewirtet. Es wurde gesungen und gespielt. Zu vorgerückter Stunde jedoch überfielen die Zwerge die Ritter, fesselten sie und schlossen sie im Kerker ein. Allerdings konnten diese sich aus eigener Kraft befreien und König Laurin samt seinen Zwergen ein weiteres Mal überwältigen.

Hartwig befreite Similde und brachte sie zu ihrem überglücklichen Vater zurück, der die beiden daraufhin sofort vermählte. Dietrich und die anderen ritten nach Bern zurück und nahmen Laurin als Gefangenen mit. Als er einen letzten Blick auf seinen Rosengarten warf, rief der Zwerg: „Wären diese Rosen nicht gewesen, hätten mich die Ritter nie gefunden!“ Und er verfluchte diese so, dass fortan niemand mehr die Rosen zu Gesicht bekommen sollte – weder bei Tag noch bei Nacht. Doch er hatte die Dämmerung vergessen. Und deshalb „blüht“ der Rosengarten noch heute bei Dämmerung und lässt die Felsen in einem rosigen Licht erstrahlen, das an König Laurin und seinen Rosengarten erinnert und dem Massiv noch heute seinen Namen gibt.

Im Rosengarten unterwegs

Auf der Suche nach dem blühenden Rosengarten des Zwergenkönigs Laurin kann man heute eine beeindruckende Gebirgslandschaft erkunden. Auch wenn keine Rosen zu entdecken sind, sprechen die zahlreichen Touren für sich. Wanderungen mit einmaligen Ausblicken, Bergtouren über einsame Pfade und anspruchsvolle Klettersteige, die einem den Schweiß in die Augen treiben, bringen etliche aktive Naturliebhaber in den Rosengarten. Denn was gibt es Schöneres als einen Tag in den Bergen?

Es gibt übrigens eine andere, sprachwissenschaftliche Erklärung für den Ursprung des Namens: Der Name Rosengarten soll von dem alten Wort „ruza“ abstammen, was übersetzt Geröllhalde heißt. Das klingt natürlich plausibel, lässt sich aber bei weitem nicht so schön erzählen wie die Geschichte eines Zwergs mit einem prächtigen Rosengarten.


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Autor
Anne Habermeier
Aktualisierung: 19.03.2019


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Lena Wiesler
Interessante Sage zu einem wunderschönen Gebirgsmassiv! Besonders bei Sonnenuntergang findet ein absolutes Naturschauspiel statt. Die Berge werden in herrlich rötliches Licht getaucht!
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