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Sentres Magazin – Natur & Umwelt

Wir radln trotzdem!

Noch einmal wenden, sich selbst nämlich, mit einem halb geöffneten Auge Richtung Wecker blinzeln. Hat er wirklich Geräusche von sich gegeben?

Da! Jetzt macht er es noch mal. Er quietscht, fiepst, piept
oder trötet. Ein unmissverständliches Signal. Der Tag erwacht, mehr oder
weniger jedenfalls. Eigentlich ist es noch ziemlich dunkel draußen.

Raus aus den Federn, einmal kurz durch die Regenkammer laufen– auch bekannt als „Dusche“ – und schon sind wir wider die Unbill des Tages gewappnet. Aber jetzt droht der tägliche Weg zur Arbeit. Irgendwie ist doch jeder ein Pendler. Vorher noch schnell einen Kaffee. Oder lieber in der üblichen Bar schnell einen Cappuccino?

Rein in die Jacke und die Nase zur Haustür hinaus, sozusagen als Vorhut und Temperatursensor. Brrrr, saukalt, schon wieder. Mit drei schnellen Schritten zum Auto, Tür auf, reinwuchten, Tür schnell zu und sofort den Motor an. Heizungsregelung voll auf Anschlag. Nützt gar nix, der Motor ist noch kalt. Die Scheibe ist vereist und jetzt beschlägt sie auch noch von innen. Was soll’s, Radio an und bei laufendem Motor warten bis das Automobil wärmer wird. Zwischendurch aus Langeweile mal ein Guckloch in die Seitenscheibe reiben.

Sieh da, der Nachbar ist auch schon wach! Da steht er vor der Haustür und saugt genüsslich die kalte Luft ein. Jetzt zieht er sich langsam Handschuhe über, zieht den Reißverschluss seiner warmen Winterjacke hoch und schlendert zum Fahrradständer. Mit aller Selenruhe steigt er auf und tritt gemächlich in die Pedale. Soll er doch erfrieren.

Endlich, ein paar Quadratzentimeter Scheibe sind frei, nix wie los, es ist schon spät. Raus aus der Einfahrt, die Wohnstraße entlang und mit einem breiten Grinsen den Nachbarn überholen. Mit Schwung auf die Kurve zu,
rechts einlenken, kurz Zwischengas und direkt in den Stau hinein. Scharf
anbremsen und hinterm Lieferwagen vom Malermeister aus der Nebenstraße stehen bleiben.

Der rechte Außenspiegel ist gerade rechtzeitig abgetaut, um den Nachbarn auf seinem Rad näher kommen zu sehen. Besonders erfroren wirkt er nicht und mit gleichmäßiger Kurbelumdrehung rollt er dahin. Am liebsten würde man ja kurz mal die rechte Tür aufreißen, aber so was sollte man ja nicht mal denken. Der Nachbar zieht inzwischen genüsslich vorbei, natürlich mit einem breiten Grinsen. Schon wieder, wie gestern, wie vorgestern und die ganze vergangene Woche.

Eventuell, vielleicht, wenn man sich’s genau überlegt, kalt ist es schon eher, aber anscheinend…, vielleicht doch nicht so sehr, so ein Radl, mmmh, zu Weihnachten, so ein kleines Geschenk, sich selbst beschenken, wäre das was? Ärgerlich dieses Grinsen, aber auch ansteckend. Ja, warum eigentlich nicht?

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