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Sentres Magazin – Natur & Umwelt

Winterwetter in der Krise

Viele wissen bald gar nicht mehr, was einen alpinen Winter ausmacht. Temperaturen, denen es oft wochenlang, auch in höheren Lagen, schwerfällt unter die Nullgradgrenze zu fallen, Niederschlagsausfälle, die eher an trockene Hochsommermonate erinnern und Waldbrandgefahr, die man von mediterranen Gefilden her kennt. Winterfeeling ade?

Langanhaltende Hochdruckgebiete und kräftige Föhnwindattacken lassen auch den feuchtesten Berghang zum staubtrockenen Almboden werden. Wintersportgebiete würden schon lange als ausgestorben gelten, gäbe es da nicht diese martialisch anmutenden Legionen von winterbringenden Schneekanonen. Viel hilft viel. Die Frage ist nur: wie lange noch. Die Munition für diese mittlerweile omnipräsenten Retter des Wintertourismus ist allerdings begrenzt. Fällt kein Wasser vom Himmel, ist auf kurz oder lang auch kein Rohstoff für die Kunstschneeproduktion mehr vorhanden. Entweder nehmen die Niederschläge wieder zu, oder die einst wasserverwöhnten Alpenbewohner müssen sich einen wassersparenderen Wintertourismus einfallen lassen.

Trockenheit macht krank
Neben den negativen Auswirkungen auf den Wintertourismus, hat das Ausbleiben der Niederschläge auch massive Auswirkungen auf Gesundheit und Landwirtschaft. Die Schleimhäute der Alpenbevölkerung ähneln immer mehr den ausgetrockneten und gesprungenen Lehmböden der Steppengebiete. Heizung drinnen, Föhnwind draußen. So geht das über Monate. Grippeviren verbreiten sich in sprichtwörtlicher “Windeseile”, Schnupfen, Husten, Bronchitis und zahlreiche andere Atemwegserkrankungen bahnen sich ihren Weg ungebremst in den menschlichen Organismus. Selten nur noch, gibt es eine kurze erfrischende Trockenpause in Form von Regentropfen oder Schneeflocken, die Luft, dem Boden und nicht zuletzt auch der Gesundheit des Menschen zugute kommen.

Flexibel und dynamisch werden
Die klassischen Jahreszeiten mit ihren typischen Wetterverläufen gehören wohl der Vergangenheit an. Wandern anstatt Winterwandern, Radfahren anstatt Skifahren, Frühlingsduft anstatt Schneegeruch, orange glitzernder Veneziano anstatt dem heiß dampfenden Glühwein.
Vielleicht regnet es ja doch bald wieder. Der Frühling war seit jeher, eine sehr feuchte Jahreszeit. Regen fällt vom Himmel, plätschernde Bergbächlein bahnen sich ihre Furchen durch Wälder und Wiesen und die Flüsse im Tal füllen wieder zusehens ihr Bachbett. So war es zumindest.

Heutzutage gibt es nur noch Wetterperioden, Wetterphasen, die Temperatur, Niederschlag oder Sonnenschein bestimmen. Lange Planungsvorläufe für den Aufenthalt in der freien Natur sind nicht mehr hilfreich, sondern sogar behindernd. Der Blick aus dem Fenster, der Blick auf das Thermometer und schon kann der Outdoortag in Angriff genommen werden. Skifahren im Herbst, Wandern im Winter, Baden im Frühling und einen Glühwein in einer kalten, regennassen Sommernacht in einer Schutzhütte. Flexibilität ist Trumpf. Im Job, in der Partnerschaft und nun auch beim Unterwegssein in freier Natur.

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