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Sentres Magazin – Geschichte & Kultur

Wintertage am Ultner Bergbauernhof - Teil Zwei

Im Winter stand das bäuerliche Leben still. Nur wenige Arbeiten, die im Sommer nicht verrichtet werden konnten oder für die keine Zeit vorhanden war, wurden auf die kalte, meist schneereiche Jahreszeit verschoben. Klaus Schwienbacher schildert den Hofalltag jener Zeit.

Bereits um 5 Uhr morgens mussten die Tiere im Stall versorgt werden. Im Haus bereitete derweil die Bäuerin ein "Mues", das dann zusammen am großen Stubentisch sitzend, verspeist wurde. Jeder löffelte an seiner Seite der Muspfanne, bis die Holzlöffel aneinander klapperten. Darauf wurden die Löffel an eine eigens vorgesehene Halterung an die Stubenwand gehängt oder in die eigene Jackentasche gesteckt. Höchstens 3 Mal im Jahr wurden die hölzernen Esshilfen gespült. Hinter dem Ofen hingen zwei Handtücher. Eines für die Hände und das andere für das Gesicht. Meist wurde das Gesichtstuch eine Woche lang von allen Hofbewohnern benutzt. Die Woche darauf wurden mit demselben Tuch nochmal 7 Tage lang die Hände abgetrocknet. Bereits am Ende der ersten Woche war das Tuch schmierig, übelriechend und schmutzig, erzählt Schwienbacher.

Winterarbeiten
Eine der Arbeiten, die praktisch nur im Winter verrichtet werden konnte, war das "Mistausfahren". Die Hänge im Ultental sind oft dermaßen steil, daß es mit dem Schlitten nur im tiefen Schnee möglich war halbwegs sicher den Mist auf Feld und Wiese zu verteilen. Die zweite "Winterarbeit" war das "Streb machen". Tannennadeln und Tannenzweige, sog. "Tasen", wurden im Wald gesammelt und zerkleinert und so für den Stall einsatzbereit gemacht. Das "Heuziehen" war die dritte typische Winterarbeit, die es zu erledigen galt. Dabei wurde von den höher gelegenen Almhütten das würzige, kräuterreiche Heu auf einem Schlitten zu den Höfen transportiert. Das Heu stellte die Hauptnahrungsquelle für das "Galtvieh"dar. Darunter versteht man die weiblichen Rinder bis zur ersten Abkalbung und Stiere und Ochsen unter 2 Jahren. 

Wanderhandwerker
Die meist ruhige Winterzeit war auch die Zeit der "Stör". Rädermacher, Schneider, Schuster, Weber, Körber und andere Handwerker kamen auf Absprache auf die Höfen und boten ihre Dienstleistungen an. Zudem wurde die kalte Jahreszeit genutzt, um am Hof Reparaturen durchzuführen, soweit dies der Schneefall zuließ. So wurden beispielsweise die Trinkwasserleitungen aus Baumstämmen im Winter gebohrt. Die restliche Winterzeit war da um sich auszuruhen. Den Großteil des Winters verbrachten die Hofbewohner in der kachelofenwarmen Stube. Man unterhielt sich, erzählte sich Erlebnisse und Geschichten und genoss es, die kalt-stürmische Winterzeit im Warmen verbringen zu können.

Großfamilie
Einsamkeit durch Abgeschiedenheit
war in früherer Zeit auf den meisten Höfen kein Thema. Viele Kinder bevölkerten und belebten den Hof. Das Erstgeburtsrecht sicherte dem erstgeborenen Sohn den Hofbesitz. Die Geschwister arbeiteten am Hof. Für eine Heirat der Brüder des Erstgeborenen reichten die erarbeiteten finanziellen Mittel meist nicht. Soziale Absicherung in Form eines Gesundheitsdienstes, einer Unfallversicherung oder Rente gab es nicht. Die Armut war der ständige Begleiter der meisten Bergbauernhöfe. Neben der finanziellen Überlebensfragen eines Hofbewohners gab es am Berg zahlreiche andere Gefahren, die ihm das Leben streitig machen konnten. Lawinenabgänge, Bären- oder Wolfsangriffe waren zu jener Zeit noch eine realistische Gefahr, wenn man sich im Wald oder am Berg aufhielt. Bären wurden professionell gejagt, da sie an Weidetieren und Feldern große Schäden anrichteten. Wölfe wurden mit Hilfe von Wolfsgruben geködert und erlegt.

Paradigmenwechsel
Das frühere Bergbauernleben mit dem heutigen zu vergleichen fällt schwer. Der Arbeitsalltag am Hof ist heute weitaus einfacher, schneller und effektiver. Früher arbeitete nicht selten die gesamte Großfamilie, also meist über 10 Menschen am Hof, heute wird dieselbe Arbeit meist von 1-2 Leuten mit Hilfe von zahlreichen landwirtschaftlichen Maschinen erledigt. Die Freizeitgestaltung hat sich ebenfalls drastisch verändert. Das frühere "Geschichtenerzählen" ist den vielen elektronischen Unterhaltungsgeräten gewichen und der Berg wird vom Bergbauer nicht mehr nur als Arbeitsplatz, sondern auch als Freizeitumgebung wahrgenommen. Nichtsdestotrotz ist das Leben und Wirtschaften auf höher gelegenen Höfen, auch in Zeiten der Automatisierung der Gesellschaft und der EU-Beiträge, kein einfaches Unterfangen. Der Berg hat seine eigenen Gesetze, daran kann auch die heutige hochtechnisierte Gesellschaft nichts ändern. Wahrscheinlich auch gut so.

sentres bedankt sich bei Klaus Schwienbacher für das aufschlussreiche und angenehme Gespräch.

Zu den schönsten Wintertouren im Ultental geht es hier.

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