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Sentres Magazin – Natur & Umwelt

Windige Zeiten

Das himmlische Kind? Von wegen! In den vergangenen Wochen und Monaten war der Wind ein ziemlich „teuflischer“ Begleiter. Und er hat in den Bergen teils gefährliche Spuren hinterlassen.

Eigentlich ist er der ausgleichende Faktor im Wettergeschehen. Aber eigentlich ist er uns in diesem Winter auch ganz schön auf die Nerven gegangen. Tage-, ja wochenlang hieß es in den Wetterberichten: „Kalter Nordföhn“ oder „Eisiger Ostwind“.

Länger und intensiver
Der Eindruck vieler Wintersportler, dass der Wind in diesem Jahr häufiger und stärker war als in anderen Jahren, stimmt tatsächlich. Dieter Peterlin, Meteorologe beim Landeswetterdienst, erklärt den Grund: „Wir hatten im Dezember und Jänner häufig eine sogenannte Nordströmung. Das bedeutet, der Wind kommt in der Höhe aus dem Norden und bläst als Nordföhn über Südtirol.“  Im Gegensatz zu den vergangenen zwei Jahren, als Südtirol durch häufige Südströmungen mit Schnee gesegnet  worden war, blieb die weiße Pracht in diesem Winter meist an der Alpennordseite bzw. am Alpenhauptkamm „hängen“. Nur der Wind schaffte es über die Bergketten. Im Februar sorgte dann eine Ostströmung für zusätzlichen Ostwind und die sogenannte sibirische Kälte.

Ungewöhnlich am heurigen Winter war nicht der Wind an sich, sondern die  Dauer und Intensität der Windperioden. Das bestätigt auch Dieter Peterlin: „Im oberen Pustertal wurde vom 28. Jänner bis zum 12. Februar durchgehend Ostwind verzeichnet – mit Höchsttemperaturen von zum Teil minus zehn Grad.“ In Glurns im oberen Vinschgau indessen hat man im Jänner durchgehend über 20 Tage den berüchtigten Oberwind aushalten müssen.

Rekord-Tiefsttemperatur
Aber auch Väterchen Frost hat heuer nicht mit sich spaßen lassen. Wie Dieter Peterlin bestätigt, wurden in den Bergen die tiefsten Temperaturen seit den ersten Aufzeichnungen in Südtirol gemessen (wobei diese Messungen erst seit rund 15 Jahren erfolgen). „An der Höhenwindstation Signalgipfel am Wilden Freiger zeigte das Thermometer am 10. Februar minus 32 Grad, und das ist Rekord“, weiß Peterlin.

Wind und Kälte in diesem Ausmaß sind die wetterverwöhnten Wintersportler in Südtirol nicht gewohnt. Kann dies schon ein Zeichen für den Klimawandel sein? „Nein“, sagt der Meteorologe Dieter Peterlin und versucht eine möglichst einfache Erklärung: „Unter Klima versteht man jene Vorgänge, die in längeren Perioden – mindestens zehn bis 30 Jahre – gemessen werden. Das Wetter hingegen ändert sich täglich. Wenn also in ein, zwei Wintern längere Windperioden festgestellt werden, dann sagt das noch nichts über eine Klimaänderung aus, sondern es sind Wetterphänomene, die kommen und gehen.“

„Ungünstig aufgebaute Schneeschichten“
Auch wenn die Kälte mittlerweile gebrochen und der Wind nicht mehr so intensiv ist – ihre Spuren haben beide hinterlassen, vor allem in den Bergen. Immense Schneeverfrachtungen und schlecht aufgebaute Schneeschichten stellen für Skitourengeher und Schneeschuhwanderer im nahenden Frühling eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar. Fabio Gheser, Leiter des Lawinenwarndienstes des Landes, warnt: „Der Aufbau der Schneeschichten ist aufgrund des Windes und der Kälteperiode im Februar sehr ungünstig. Deshalb ist die Gefahr, eine Lawine auszulösen umso größer.“

Temperatursprünge wie jener Ende Februar würden dann ein zusätzliches Problem darstellen: „Dann können sich auch Spontanlawinen lösen, wie wir es ja erlebt haben“, erinnert Gheser an die vergangenen Tage. Auch auf den Gletschern sei die Situation in diesem Spätwinter ungünstig: „Es gibt oft Blank-Eis, und viele Gletscherspalten sind wegen der Schneeverwehungen vermutlich nicht fest genug.“ Die einzige Hoffnung bleibt da noch ein ordentlicher Schneefall in den nächsten Wochen. „Wenn sich dieser Schnee dann gut mit den unteren Schichten binden kann, würde das die allgemeine Situation entspannen“, sagt der Lawinenexperte.       

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