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Sentres Magazin – Natur & Umwelt

Wettergedanken

Ein dramatischer Temperatursturz im Mittelmeerraum bereits im Spätherbst 2010, erste Vereisungen der Ostsee bereits Mitte November, erste starke Schneefälle in den Alpen Ende November. Der anfangs furiose Winterauftakt 2010 ließ auf eine standesgemäß kalte und schneereiche Jahreszeit hoffen. Aber dann kam alles anders.

In Deutschland kommt es zu einer derartigen Kältewelle, daß in den Weihnachtstagen die öffentlichen Verkehrsmittel zum Erliegen kommen. Busse rutschen von der Fahrbahn, auf Bahnhöfen frieren die Anzeigetafeln ein. Plötzliches Chaos in einer Welt, die es gewohnt ist, wetterunabhängig ihren Weg zu gehen.

Besonders in den schneegewohnten Alpengebieten gab es nach dem verheißungsvollen Winterauftakt einen frühlingshaften Abschwung. Die Temperatur stieg, der Schnee wurde wässrig oder verabschiedete sich in flüssiger Form vollends in Richtung Tal. Schneekanonen haben bei solchen Temperaturen auch keine Wirkung mehr.

Wetterextremsituationen sind zu einer Normalität geworden. In Gegenden und Landstrichen wo milde Temperaturen an der Tagesordnung waren, zieht immer öfter ein eisiges Windchen um die Häuser, dort wo die Winterzeit als Synonym für Schnee und Eiseskälte herhalten musste, weht ein mediterran-warmes Lüftchen um die alpin-kälteunempfindlichen Behausungen. Verkehrte Welt, möchte man meinen. Eigentlich sind ein paar Jahrhunderte mit relativ gleichmässigem Temperaturverlauf aber nichts, was erdgeschichtlich als fixe Norm gesehen werden darf.

Die Wintersportindustrie lässt das unbeeindruckt. Immer funktionellere Kleidung, immer technisch versiertere Hardware für den maximalen Spass draußen in der Natur im Winterkleid. Ein Wandel scheint sich aber auch in der Outdoorindustrie abzuzeichnen. Die Hauptabsatzmärkte dieser profitablen Branche werden sich in einstige “nicht-winterkalte Gegenden” verschieben. Ein Paradigmenwechsel ist angesagt.

Wie es in den Winterdestinationen im Alpenraum weitergehen wird, ist schwer abzusehen. Ein paar Jahrzehnte wird sicherlich noch massiv aufgerüstet werden. Legionen von Schneekanonen werden das grasgrüne Schlachtfeld unter Beschuss nehmen, bis kein Grashalm mehr zu sehen sein wird. Eine Zeit lang jedenfalls. Irgendwann werden die Niederschläge und die Wasserreserven im Alpenraum nicht mehr ausreichen um diesen eiskalten Krieg weiterzufinanzieren.

Gerademal wieder ist die Wetterlage im Alpenraum alles andere als winterlich. Um noch einigermaßen akzeptablen Schnee unter den Skiern oder Schneeschuhen zu spüren, muss sich der erlebnisorientierte Wintersportler derzeit über die 2000m Höhenlinie bewegen. Schon eindrucksvoll, wenn man bedenkt, daß es vor einigen Jahrzehnten noch die Möglichkeit gab, sich auf Skipisten unter der 1000 m Grenze, mit dem weissen Gold unter den Brettern, die Zeit zu versüßen. Ohne Schneekanonen wohlgemerkt. Als ultimativ-kurioser Gegensatz zu den heutigen Wetterverhältnissen kann das Beispiel angeführt werden, daß es in den 50iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch möglich war, sich die Skier an die Füße zu schnallen und direkt von Leifers, unterhalb Bozen, zum bekannten Wallfahrtsort Weissenstein aufzusteigen. Ebenfalls ohne Schneekanonen.

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