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Sentres Magazin – Geschichte & Kultur

Wer ist König Ortler? - Zweiter Teil

Früher war es oft gar nicht so wichtig, wie ein Berg oder Gipfel hieß bzw. ob er überhaupt schon einen Namen hatte. Oft waren die Erstbesteiger die Namensgeber der Gipfel, manchmal waren aber auch Zufälle ausschlaggebend für eine Bergbezeichnung.

Ein Artikel von Edith Runer für sentres.

Sicher ist, dass die meisten Bergnamen relativ jung sind oder in jüngerer Zeit überliefert worden sind. Viele sind sogar erst mit der allgemeinen Erschließung der Berge durch Wanderer und Kletterer entstanden, und manche wurden dann sogar nach ihren „Entdeckern“ benannt. Bestes Beispiel dafür ist der mit 8848 Metern höchste Berg der Welt, der Mount Everest. Sir George Everest war ein britischer Landvermesser und hatte sich Mitte des 19. Jahrhunderts vor allem mit der Vermessung Indiens einen guten Ruf verschafft.

Auch der heutige Mount Everest wurde vermessen und zunächst „Peak b“, danach „Peak XV“ genannt. Als man herausfand, dass es sich um den höchsten je vermessenen Berg handelte, gab man ihm als „Zwischenlösung“ den Namen seines Vermessers. Irgendwie blieb es dann dabei. Allerdings trägt der Berg im Nepalesischen noch immer den Namen Sagarmatha und im Tibetischen die Bezeichnung Chomolungma.

König Ortlers Ursprung
Beim höchsten Berg Südtirols gibt es hingegen nach wie vor Zweifel über den Ursprung. Eine Theorie ist jene, dass der Berg nach dem Ortlerhof benannt wurde, den es schon Mitte des 14. Jahrhunderts in Sulden gab, und der etwas höher gelegenen Ortleralm. Umgekehrt gibt es auch die Annahme, dass der Hof nach dem Berg benannt wurde, also der Bergname älter sei. Sicher ist eines: Die Bezeichnung „König Ortler“ war lediglich eine Huldigung an den „Höchsten“, zumal die Spitze lange Zeit als höchste der Ostalpen galt (solange die Berninagruppe zu den Westalpen zählte). Und somit gab es wohl auch keinen Regenten namens Ortler.

Kein Garten mit Rosen
Sicher ist zudem, dass der Rosengarten seinen Namen weder von einem Garten voller Rosen hat, von dem die Laurin-Sage berichtet, noch aufgrund der feuerroten Leuchtens beim Sonnenuntergang. Wohl eher stammt die Bezeichnung vom Wortstamm „ruza“, der so viel wie Geröllhalde bedeutet, und Geröll gibt es unterm Rosengarten wahrlich genug.   

Etwas eindeutiger, wenn auch nicht ganz geklärt ist die Herkunft des Namens Dreiherrenspitze. Die religiöse Version ist jene, dass die Dreifaltigkeit der Wallfahrtskirche Heilig Geist im hintersten Ahrntal Vorgabe für den Bergnamen war. Vielleicht waren es aber auch drei wichtige Herren, nämlich die  Grafen von Görz und Tirol sowie der Bischof von Salzburg, die hier an diesem mächtigen Gipfel geografisch „zusammengestoßen“ sind.

„Uhrige“ Gipfel
Kein Zweifel herrscht bei einigen anderen Gipfeln im Osten Südtirols. Schon etwas vom Zwölfer-, dem Elfer-, dem Zehner-, Neuner- oder dem Einserkofel gehört? Diese Gipfel gehören zur sogenannten Sextner Sonnenuhr. Von Bad Moos aus gesehen, steht die Sonne zur Wintersonnenwende genau um 12 Uhr über dem Zwölfer und um 13 Uhr über dem Einser. Dasselbe gilt für die anderen nach der Sonnenuhr benannten Gipfel, auch wenn man nicht alle von Bad Moos aus sehen kann.

Schwierig wird die Suche nach der Herkunft eines Bergnamens, wenn er gar keine Bedeutung zu haben scheint. Ein Beispiel dafür ist der Similaun. Ob er auf den Begriff Samaluana zurückgeht, der so viel wie „Weiße Göttin Ana“ bedeuten soll? Bei vielen Bergnamen wird die Herkunft wohl immer eine Vermutung bleiben. Aber vielleicht beflügelt dieser Bericht die Phantasie einiger Leser und Wanderer, wenn sie das nächste Mal auf der Saldurspitze, dem Plattkofel oder auf dem Ifinger stehen. 

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