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Sentres Magazin – Genuss & Gastlichkeit

Weingut Loacker – Geschichte und Anbau

Im Gespräch mit dem Bio - Winzer Hayo Loacker vom Weingut Loacker in Südtirol.

Die Ernte ist beinahe vorüber, nur noch der spät reifende Cabernet wartet auf die fleißigen Hände der „Wimmer“. Das Wetter war die letzten Tage nicht ideal, die Traubenlese musste mehrmals verschoben werden. Jetzt endlich wärmt die Sonne die Reben und streicht ein lauer Wind durch den Weinberg. Hayo Loacker, Önologe und Geschäftsführer des Weinguts Loacker, ist unermüdlich unterwegs und sorgt dafür, dass nur vollreifes, trockenes und gesundes Lesegut geerntet wird. Die Fachwelt ist sich einig, der 2015 wird ein Jahrhundertjahrgang. Auch am Schwarhof in Sankt Justina ist man hoch erfreut, die wenigen regnerischen Tage zur Erntezeit waren zwar unangenehm, aber die Qualität ist nach einem langen heißen Sommer hervorragend.

Wir sitzen in einem hölzernen Pavillon unterhalb des Schwarhofs , inmitten der an den Südhängen über Bozen angelegten Weinberge. Ein sichtlich entspannter und gut gelaunter Hayo Loacker setzt sich zu uns. Wir haben viele Fragen zur Geschichte des Weinguts, zu Anbaumethoden und Kellerarbeit. Und vor allem natürlich zur herausragenden Rolle, die das Weingut Loacker und sein Gründer Rainer Loacker, Hayos Vater, in der Geschichte des biologischen und bio-dynamischen Weinbaus in Südtirol und Italien gespielt haben.

Mehr dazu:
- das Weingut Loacker auf sentres.com
- aktuelle Infos auf der Loacker Facebook Seite

Die Anfangsjahre
Und so erzählt Hayo von den ersten schwierigen Jahren seines Vaters Rainer auf dem Schwarhof: „Ein querdenkender Ex- Industrieller, der in die Weinbranche investiert und dann auch noch biologisch-organisch wirtschaftet, das war ein Unding“. 1979 übernahm Rainer Loacker den Schwarhof und begann mit der biologischen Bewirtschaftung der Rebanlagen. Und stieß auf völliges Unverständnis bis hin zu totaler Ablehnung in der gesamten Südtiroler Weinwirtschaft. Dazu kamen, nach einem grandiosen Jahrgang 1979, Anfang der 80er viele Rückschläge im Weinberg. Erfahrungswerte gab es nicht, alles musste mühsam erarbeitet, ausprobiert, erfunden werden. Hayo Loacker kennt die Geschichte der Anfangsjahre aus den Erzählungen seines Vaters: „Erst Mitte der 80er Jahre haben sich erste Erfolge eingestellt, auch durch die Zusammenarbeit mit anderen experimentierenden Bio-Winzer, vor allem aus Deutschland.“

Die Umstellung im Weinberg
Als Rainer Loacker den Schwarhof übernahm, waren die etwa 3,5 Ha ausschließlich mit der Rebsorte Vernatsch bestockt. Wie er bald erkennen musste, war es nicht leicht, Pflanzen und Boden auf neue Bearbeitungsmethoden umzustellen. Hayo Loacker dazu: „Bestehende Weinberge, die eine gewisse Art der Bearbeitung gewohnt waren, haben es schwer in der Umstellungsphase. Einer neuen Anpflanzung gebe ich die Möglichkeit, sich viel schneller darauf einzustellen.“ Der Boden ist natürlich die Basis jeder landwirtschaftlichen Tätigkeit, ihm gilt auch die besondere Aufmerksamkeit des Bio-Winzers: „Seit über 30 Jahre arbeiten wir ausschließlich mit Gründüngungen, das Ergebnis sind gesunde und besonders fruchtbare Böden. Als Gradmesser gilt hier die wissenschaftlich nachweisbare hohe Anzahl der Bodenorganismen.“

Der biodynamische Anbau
Der biodynamische Anbau beruht auf den anthroposophischen Grundsätzen Rudolf Steiners und seinem „Landwirtschaftlichen Kurs“, einer Vortragsserie aus den Jahren 1924/25. Ein wesentlicher Teil sind die sogenannten Präparate, vor allem Hornmist und Horndünger. Es ist wahrscheinlich dieser Aspekt der Anbaumethode, der nach wie vor Misstrauen bei konventionellen Landwirten hervorruft. Aber was steckt in der Praxis eigentlich dahinter?
Kurz gesagt entsteht das Präparat Hornmist dadurch, dass ein mit frischem Kuhmist gefülltes Kuhhorn im Frühjahr im Weinberg vergraben wird. Nach 6 Monaten wird das Horn ausgegraben, das nun entstandene Präparat nach strengen Vorgaben mit warmem Wasser vermischt und im Weinberg ausgebracht. „Wenn man das Präparat unter das Mikroskop legt, ist es ein wirbelndes Sammelsurium von Mikroorganismen. Dies dient dann, einmal im Weinberg ausgebracht, als Informationsgeber für die Böden und soll die Aktivität der Bodenlebewesen stimulieren.“

Hier entlang zum 2. Teil des Gesprächs: Hayo Loacker über Vorbilder, Terroir und Qualität

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