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Sentres Magazin – Natur & Umwelt

Steinbock-Geschichte(n)

Respekteinflößend, unnahbar, erhaben und stolz – eben wie ein echter Monarch, so wirkt er, der Steinbock, der die Bezeichnung „König der Alpen“ wohl nicht von ungefähr erhalten hat.

Ein Bericht von Edith Runer für sentres.com

Selbst Bergsteiger, die häufig unterwegs sind,  haben nur sehr selten die Ehre, Seiner Majestät zu begegnen. Schließlich hält sich der Steinbock genau dort am liebsten auf,  wo das menschliche  Fußvolk ohne Seil und Haken gar nicht erst hinkommt. Trotz seiner bis zu 100 Kilogramm Gewicht springt der Koloss scheinbar leichtfüßig über steilste Abgründe hinunter oder steigt beinahe freiklettermäßig die zackigen Felsen empor, und das in einer Meereshöhe von bis zu 4000 Metern. Seine „Kletterschuhe“ bestehen aus Hufen mit harter Hornschale, die scharf umrandet sind, sowie  und einer weichen, gummiartigen Lauffläche an den Zehen.  Dadurch findet der Steinbock an den kleinsten Felskanten halt und federt beim Springen gleichzeitig weich ab.  Den „Kletterhelm“ bilden zwei markante Hörner, die  bis zu einem Meter lang werden können und an denen man auch das Alter des Tieres ablesen kann. Bis zu 20 Jahre alt kann ein Steinbock werden.

Fast ausgerottet
Dass wir Menschen den Steinbock nur in den „glücklichsten Momenten“ unseres Bergsteigerlebens zu Gesicht bekommen, liegt auch am begrenzten Vorkommen der Tiere. Bis zum 15. Jahrhundert war der Steinbock in den Alpen sehr stark verbreitet, fiel aber nach und nach dem Aberglauben der Menschen und der Medizin zum Opfer.  Der Steinbock galt als jenes Wesen, das praktisch alles übersteht, dessen Magie den Tod verscheucht. Und so wurden vom Blut über die Hörner bis zum Knochenmark alle Körperteile verwertet, um die mitunter auch etwas zweifelhaften Volksapotheken zu füllen. Freilich war mit diesen angeblichen Heilmitteln auch gutes Geld zu machen.
Ende des 19. Jahrhunderts soll der Bestand in den Alpen fast ausgerottet gewesen sein. König Viktor Emanuel soll damals den verbliebenen Bestand am Gran Paradiso unter Schutz gestellt haben (siehe wikipedia), woraufhin mehrere Wiederansiedelungsprojekte im Alpenraum erfolgten.

Rund 1300 Stück in Südtirol
Heute gibt es in Südtirol laut dem Direktor des Landesamtes für Jagd und Fischerei, Heinrich Erhard, wieder einen Steinwildbestand von rund 1300 Stück. Rund 1000 davon leben in der sogenannten Metapopulation zwischen dem Reschen und dem Brenner sowie in den Kolonien Weißkugel, Texelgruppe und Tribulaun. Der Rest verteilt sich auf andere kleinere Kolonien.
Interessant ist, dass die Bezeichnung Steinbock etwas unterschiedlich verwendet wird. Amtsdirektor Erhard erklärt: „In der Wildbiologie und in der Jagd spricht man allgemein von Steinwild, wenn man von männlichen, weiblichen und Jungtieren spricht. Als Steinbock werden also nur männliche Exemplare bezeichnet.“  In der Zoologie hingegen sei der Steinbock (Capra ibex) die Bezeichnung für die gesamte Art.

Keine jagdbare Wildart
Bleibt die Frage, wie es denn in heutiger Zeit mit der Jagd auf den „König der Alpen“ aussieht. Dazu Heinrich Erhard: „Steinwild ist in Italien und somit auch in Südtirol eine nicht jagdbare Wildart, es hat somit auch keine gesetzliche Abschusszeit. Allerdings erlaubt unser Landesjagdgesetz, gewissermaßen als Ausnahme und in Form einer Sonderermächtigung, eine sogenannte Regulierung, also einen gezielten Eingriff in die Alttiere sowie die Entnahme von kranken, verletzten und kümmernden Tieren.“

Gut so: Dann werden wir Bergsteiger uns weiterhin auf die seltenen Begegnungen mit „Seiner Majestät“ freuen und sie ehrfurchtsvoll genießen können.

Wer eine Chance haben möchte, dem König der Alpen persönlich zu begegnen, der sollte vielleicht eine der Hochtouren in den oben erwähnten Gebieten wählen. Eine Auswahl gibt es hier auf sentres. Und wer weiß, mit etwas Glück...

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