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Sentres Magazin – Sport & Touren

Skitouren sind Sport!

Gibt es eine Südtiroler Skitourenkultur? Oder sehen die Südtiroler den winterlichen Berg nur als sportliche Herausforderung?

Der Dalai Lama fühlt sich in Südtirol wohl und Hans Kammerlander in Tibet. Warum? Nicht weil beide Berühmtheiten sind, ihre Herkunft bildet die gemeinsame Klammer: Menschen aus den Bergen – Bergvolk. Die Abgeschiedenheit, die Enge der Täler, die Weite der Gipfel – einige Aspekte, die auch uns Südtirolern vertraut sind und charakteristisch sind für das Leben in den Bergen.

Bergmenschen haben einen gemeinsamen Nenner. Im Detail gibt es jedoch in dieser Einheit auch trennende Elemente. Nirgendwo zeigt sich dies deutlicher als beim Skitourensport. Skitourengeher waren in den vergangenen Wochen vielerorts ein Thema und die Diskussion zeigt primär zwei Lager auf: Pistengeher und alpine Leichtbaufreaks!
Für die einen ist die Tour auf der präparierten Piste ein Ersatz für das sommerliche Lauftraining, für die anderen zählt ein schnellstmöglicher Gipfelsieg im Takt des umgeschnallten Pulsmessgerätes.

Eines wird dabei deutlich: in Südtirol ist der Skitourensport eine aufwärts orientierte Disziplin. Will der Südtiroler leiden? Ist Sport eine puritanische Lebenseinstellung? Ist dies die sonntägliche Buße für ausschweifenden Lebenswandel? Ob auf der Piste, oder im Carbon-Look nach Feierabend, entscheidend ist der sportliche Drang Höhenmeter zu bewältigen, aufwärts zu streben.

Freies Gelände, Schnee und Berge können aber auch andere Interpretationsräume zulassen. Skitour kommt vom Skibergsteigen und hat eindeutig alpinistische Wurzeln. Das Entdecken neuer Gebiete und Routen, die Freiheit des Skifahrens ohne Grenzen. Bewusst und mit Genuss aufsteigen, um unberührte Hänge als erster zu befahren. In den französischen Alpen hat diese Abwärtsorientierung eine viel größere Bedeutung. Auch die Österreicher haben eine ähnliche Einstellung. Hinaufgehen, um die eigene „Linie“ zu finden und in den Schnee zu schreiben. Kein Heliskiing, nein, sondern mit eigener Kraft und einer großen Sehnsucht nach Adrenalin die breiten und schweren Ski Höhenmeter um Höhenmeter nach oben wuchten, um dann endlich die Abfahrt über weite gleißende Hänge zu genießen.

Nicht überall in Südtirol ist das Gelände ideal für eine abwärts-orientierte Interpretation des Skitourensports, aber dies ist sicherlich nicht ein k.o. Kriterium. Es gibt genügend Möglichkeiten, sei es im Sellamassiv, oder am Alpenhauptkamm und im Ortlergebiet. Oftmals sind die Ziele dann nicht der Gipfel, sondern Rinnen oder Flanken. Touren im teils namenlosen Meer der Südtiroler Berge. Das Ziel ist diese einzigartige, eigene Spur in der unberührten Schneelandschaft.

Der Skitourengeher wird sich entscheiden müssen. Aufwärts, abwärts –
die Klischees werden nicht auf sich warten lassen: Warmduschertouren,
Carbonflitzer oder Freeride-Junkie. Für jeden Bergmenschen die
eigene Interpretation und ein Spiegelbild der heimischen Bergkultur.
Eines bleibt gemeinsam: Sich mit den Skiern abseits der Skipiste zu
bewegen ist eine Risikosportart. Und eine alpine Kultur die wichtigste
Voraussetzung, um mit diesem Risiko umgehen zu können.

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