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Sentres Magazin – Natur & Umwelt

Schutzhütten 2.0

Am Montag den 23. Jänner 2012 hat die Südtiroler Landesregierung beschlossen für die notwendige Neuerrichtung von drei Schutzhütten einen Ideenwettbewerb zu lancieren.

Bekanntlich wurden vom Staat insgesamt 24 Schutzhütten an das Land übertragen, drei davon sind allerdings in einem sehr schlechten baulichen Zustand. Es handelt sich um die Weißkugelhütte im hinteren Langtauferer Tal, die Schwarzensteinhütte im Ahrntal und die Edelrauthütte auf dem Eisbruggjoch oberhalb des Neves-Stausees.

Mit etwas Wehmut nehmen wir zur Kenntnis, dass diese urgemütlichen Hütten dem Zahn der Zeit auf Dauer nicht widerstehen konnten. Auftauender Permafrostboden, die extremen Wetterumschwünge in großer Höhe und nicht zuletzt die gestiegenen Anforderungen an Energie- und Wasserversorgung und vor allem Wasserentsorgung im ökologisch sensiblen hochalpinen Raum lassen wohl keine Alternativen zu.

Laut Presseaussendung des Landes lagen bereits „klassische“ Projekte für den Wiederaufbau vor, die aber abgelehnt wurden. Woher diese Projekte stammen und von wem sie vorgeschlagen wurden, geht aus der Presseaussendung nicht hervor, vielleicht haben wir hier ja eine Ausschreibung nicht mitbekommen?

Egal, jedenfalls wünscht Landeshauptmann Luis Durnwalder innovative Konzepte, Schwerpunkt Architektur, Landschaftsschutz und Nachhaltigkeit. Daher jetzt dieser Ideenwettbewerb. Zurecht verweist Durnwalder auf neuere, interessante Bauten in anderen Regionen der Alpen.

Bravo! Möchte man laut rufen Angesicht soviel Mutes. Sogar der Begriff „Architektur“ wird verwendet, also nicht bloß Holz auf Stein und dann ein Dach darüber, sondern durchdachte Konzepte. Und das in einem Land, in dem sogar die Frage ob Schilder aus Holz oder Aluminium aufgestellt werden sollen, zu ideologischen Grabenkämpfen führen. Wir werden sehen wohin das führt, der Ansatz jedenfalls ist schon einmal positiv.

Als Speerspitze der modernen Hüttenarchitektur kann die Neue Monte Rosa Hütte auf 2883m gelten. Ein aufsehenerregender Bau aus modular aufgebauten Holzelementen mit einer schützenden Aluminiumhülle. Energieversorgung und Abwasserbehandlung waren allerdings nicht für den unerwartet großen Ansturm von Wanderern ausgelegt, hier wird jetzt ausgebaut und nachgebessert. Wie man der Homepage der Hütte entnehmen kann, gab es eine durchschnittliche Bettenauslastung von 90 Betten bei einer Gesamtkapazität von 120. Weit mehr als ursprünglich erwartet. Architektur und natürlich die damit verbundene mediale Präsenz sind also offensichtlich eine ausgezeichnete Werbung für eine Region und bringen zahlungskräftiges Publikum.

Schon etwas länger steht die Capanna Cristallina der SAC- Sektion Tessin-Lugano. Nach der Zerstörung der alten Hütte durch Lawinen wurde vom SAC ein Architekturwettbewerb für den Neubau an erhöhter und besser geschützter Stelle ausgeschrieben. Aus 143 Einreichungen gingen schlussendlich die Architekten Besarga und Mozetti als Sieger hervor. Es entstand ein schlichter, zweigeschossiger Holzbau. Hüttenromantik? Nun ja. Nachhaltigkeit und Komfort ganz sicher. Vom selben Architekturbüro bemerkenswert auch die Erweiterung der Moiry Hütte.

In Österreich wurde mit der Neuerrichtung des Schiestlhauses am Hochschwab in der Steiermark quasi ein Labor für alpines Bauen errichtet. Die Schutzhütte soll sich zu 100% selbst mit Energie versorgen und zur Wasserversorgung wird in dem quellenarmen Gebiet Regenwasser aufgefangen. Vor allem die Abwasserbehandlung ist auf Schutzhütten problematisch, im Schiestlhaus soll mit Absetzbecken, einer Filterkaskade und nachfolgender UV-Behandlung ein Reinigungsgrad von 99% erzielt werden. Technische Details kann der Interessierte auf der Homepage des beauftragten Planungsbüros pos-architekten nachlesen.

Gerade in der Bauphase befindet sich eines der aufregendsten Projekte der letzten Jahre. Am Mont Blanc auf 3835 Metern wird die Neue Gouter Hütte errichtet und soll diesen Sommer in Betrieb gehen. Architektonisch und konzeptuell weist der Neubau Ähnlichkeiten mit der Neuen Monte Rosa Hütte auf, allerdings liegt der Standort nochmals circa 1000 Meter höher. Entsprechend größer auch die Anforderungen an Materialien, Technik und natürlich die ausführenden Baufirmen. Mehr Auskünfte gibt es auf der französischen Homepage des Projektes.

Wie man sehen kann gibt es im Bereich Schutzhütten bereits einiges an interessanten Konzepten. Der Ideenwettbewerb des Landes kann und wird hoffentlich spannend werden. Wir jedenfalls wünschen uns möglichst viele Teilnehmer und möglichst viele gut durchdachte Projekte.

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