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Sentres Magazin – Sport & Touren

"Schachmatt" für die Riegler Brüder?

Klettern, Zug um Zug

Eine Steilwand aus Eis und Fels strotzt förmlich vor rauer Wildheit. Ein kräftiger Wind treibt Eisregen vor sich her. Dunkle Wolken türmen sich; Nebelgeschwader scheint alles verschlingen zu wollen. Alles. Auch dieses winzige Etwas dort mitten in der Wand. Mit letzter Kraft versucht sich da einer hochzuziehen, stöhnt beim verzweifelten Versuch sein Seil in die Sicherung einzuhängen. Schnee und Eis kleben im schmerzverzerrten Gesicht. Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt haben Hände und Füße schon lange gelähmt.

Eine Szene aus dem Film Schachmatt. Nichts gestellt. Alles echt. Eduardo Gellner filmte die Südtiroler Brüder Martin und Florian Riegler bei ihrer Erstbegehung der Nordwand der Königsspitze und gewann damit den Publikumspreis beim Bergfilmfestival in St. Anton, Arlberg.
1.200 Meter Fels, Eis und Schnee. Eine Erstbegehung mitten im Winter und das Portrait zweier Brüder. 26 Minuten lang gewährt Gellner Einblicke in die Seelen der beiden jungen Alpinisten. “Schachmatt” ist ein Film über Sinnfindung, Krankheit und die bedingungslose Bejahung des Lebens.

Der kletternde Bauer

Sie sind jung. Stark. Abenteuerlustig. Und immer wieder auf der Suche nach dem Extremen. In der Kletterszene haben sie sich schon längst einen Namen gemacht, die “Rieglerbrothers”.

„Schachmatt“ – so nennen die beiden ihre Route an der Königsnordwand. Zu Beginn des Films wird erklärt: „Beim Schach gibt es einen Zug, der sich Gambit nennt. Dabei wird ein Bauer geopfert, um im späteren Spielverlauf gewisse Vorteile zu haben."

Ja, und Bauer, das ist er von Beruf, Florian Riegler, der jüngere der beiden Brüder. „Ich glaube, der Film ist beim Publikum deshalb so gut angekommen, weil er nicht nur über eine sportliche Höchstleistung berichtet, sondern eine tiefere Geschichte erzählt. Der Film zeigt uns beide nicht einzig als Klettersportler, sondern als Menschen, als Brüder. Er spiegelt unsere Gefühle und Gedanken wider. Es ist sicherlich bewegend, zu sehen, wie zwei gemeinsam eine Passion entwickeln und diese als Antriebskraft nutzen, um eine derartige Besteigung zu bewältigen."

Ja, ich bin besessen

Seine grünen Augen leuchten, als er von seiner Klettersucht spricht. „Ja, ich bin besessen. Vom Klettern. Von den Bergen. Man muss ganz einfach besessen sein, sonst geht so etwas nicht. Eine solche Besteigung meine ich."

“Eine Erstbegehung ist immer ein besonderes Gefühl. Du bist da mitten in einer Wand, mitten im Fels, wo noch nie jemand vor dir war. Bei keiner anderen Sportart ist das so. Das “Exploring”, das Entdecken der wilden Berge, macht den großen Reiz für mich aus. Klettern war für mich nie einfach nur Sport. Klettern ist meine Lebenseinstellung. Das ist auch bei Martin so. Gemeinsam suchen wir immer das fast Unmögliche." Gedankenverloren blickt Florian bei dieser Aussage auf seine rauen Hände, auf seine Finger.

Gemeinsam gegen den König

Beinahe hätte er bei der Erstbegehung der königlichen Nordwand seine Finger verloren, die bei Minus 25 Grad heftige Erfrierungen erlitten hatten. Vier Tage lang musste sich Florian im Krankenhaus von Schlanders einer Durchblutungstherapie unterziehen.

“Irgendwann war es finster. Neblig. Es hat geschneit. Und der Sturm hat einen beinahe umgehauen. Wir waren 14 Stunden lang unterwegs, in schneidender Kälte. Es war eigentlich nur noch ein Rennen gegen die Zeit und gegen den Berg. Und der Berg hat mit uns gespielt. Der König war schlecht gelaunt, an diesem Tag. Er hat sein Opfer gefordert: den Bauern.”

Doch Florian wusste, an der Seite seines Bruders würde alles gut ausgehen. “Wir haben eine ganz besondere, zu hundert Prozent ehrliche Beziehung zueinander. Unsere Leidenschaft ist wie ein unsichtbares Band, das uns verbindet. Wir wissen, wir können einander blind vertrauen. Und Vertrauen ist beim Klettern Grundvoraussetzung – denn manchmal hängt des Einen Leben vom Andern ab. Klettern ist eben nicht Fußballspielen. Man muss auf alles gefasst sein."

“Schachmatt” gesetzt sind die beiden Brüder jedoch noch lange nicht. Sie sind eben süchtig. Welcher Schachzug wohl als nächstes folgt? sentres wird dran bleiben.

Den Film kannst du hier käuflich erwerben.

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