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Sentres Magazin – Natur & Umwelt

Sandro Pertini Klettersteig - sein oder nicht sein

Ein Gastkommentar von Helmut Kritzinger zum bevorstehenden Abbau des Sandro Pertini Klettersteigs, besser bekannt als Stevia Klettersteig.

1904 wurde in den Dolomiten der erste Klettersteig eröffnet, genauer: der Hans Seifert Gedächtnissteig. Er hat sage und schreibe schon vor dem ersten Weltkrieg den Weg über den West-Grat der Marmolada auf das Haupt der Königin der Dolomiten erschlossen.

Dann kam der 1. Weltkrieg.  Erst lange nach dem 2. Weltkrieg wurden Klettersteige systematisch erschlossen. Außer dem Erreichen eines Gipfels war nun auch der Spaßfaktor wichtig, Sportklettersteige garantieren eine Erlebniswelt nach dem Muster von Disneyland. Die Ausrüstung war zu der Zeit aber noch schlecht, daher haben die zunehmenden Sicherheitsansprüche die Klettersteigausrüstung revolutioniert, perfektioniert und an Normen angepasst.

Wie viele Kletterstiege brauchen wir eigentlich um den Markt zu sättigen und um alle Klettersteiggelüste zu befriedigen?

Der Stevia-Klettersteig liegt im Naturparkes Puez Geiser, einer von vielen Naturparks in Südtirols, Natura 2000 Gebiet und seit Juni 2009 Teil des UNESCO Weltnaturerbes. Eigentlich ein Tabu. Trotzdem wurde 2004 ein Klettersteig an der Ostseite des Berges erschlossen. Es ist ein sehr schöner Klettersteig, das steht außer Diskussion. Auch für die Bergführerschaft ein gutes Geschäft, denn der Klettersteig ist für eine lange Zeit im Jahr begehbar.

Zur Person:
Helmut Kritzinger ist geprüfter IFMGA Mountain Guide, Extrembergsteiger, Berg- und Skiführer. Er ist nach Reinhold Messner der zweite Südtiroler, der die Seven Summits bestiegen hat. Mehr zu Helmut Kritzinger auf Wikipedia.
Mit seinem Unternehmen ARC ALPIN TRAVEL bringt er seit Jahren Gäste und Südtiroler sicher in die Berge.

Ich erinnere mich an einen stolzen Steinadler, der noch vor einigen Jahren in unmittelbarer Nähe seine Kreise zog. Seit längerem wurde er aber nicht mehr gesehen und hat wahrscheinlich wenig Freude über die Menschenschar, die täglich auf dem Klettersteig steigt.

Seit September liegt nun ein Bescheid des Verwaltungsgerichtes vor, welcher den sofortigen Abbau des Klettersteiges von der Gemeinde Wolkenstein fordert. Die Gemeinde wäre dem wohl nachgekommen, würde nicht andauernd das schlechte Wetter im Wege stehen.

Trotz dass mein Bergsteiger-Herz blutet, jubelt der Naturschützer in mir. Es gibt keine Sieger und Besiegte. Es siegt das Recht.

Mit einem weinenden und einem lachenden Auge und mit viel Respekt werde ich in Zukunft das Langental betreten und  mich hoffentlich an den Kreisen des Adlers wieder erfreuen dürfen.

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