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Sentres Magazin – Sport & Touren

Premiumwanderwege

Bereits seit einigen Jahren geistern die Begriffe Qualitäts- und Premiumweg durch die Outdoor-und Alpinmagazine und durch das Internet. Überfliegt man die verschiedenen Beiträge zum Thema so bekommt man schnell den Eindruck, daß sich hinter diesen ominösen Begriffen die Idee vom "Sorglos-Wandern" verbirgt.

Aus dem durchorganisierten Alltag in das perfekt vorbereitete Wandererlebnis also. Naja, nicht ganz. Ein Qualitäts- und noch weiter ein Premiumwanderweg unterscheidet sich von einem ganz "normalen Wanderweg" in seiner höheren "Bewertung" in Bezug auf folgende Kriterien. Der Qualitätswanderweg muß eine durchwegs nachvollziebare, geografisch richtige und vor allem sichtbare und verständliche Markierung aufweisen. Weiters wird die "Natürlichkeit des Wegverlaufes" positiv bewertet. Besonders schöne aussichtsreiche Wegerläufe in natürlicher, vom Menschen nicht "verunstalteten Gegenden" sind erwünscht. Längere asphaltierte oder geschotterte Wegabschnitte, Wegpassagen durch intensiv bewirtschaftete Ackerlandschaften oder Siedlungsgebiete bringen Punkteabzug.

Die stetige Pflege und Instandhaltung der Wege und Steige muss gewährleistet sein. Ein weiterer Pluspunkt sind kulturelle Sehenswürdigkeiten, wie beispielsweise Schlösser, die zusammen mit den natürlichen Sehenswürdigkeiten der Gegend ein rundes "Erlebnispaket" für den Wanderer ergibt. Gastronomie- als auch Übernachtungsstätten entlang der Wanderroute sind ein weiterer Pluspunkt auf der Zertifizierungsskala des Qualititäts- und Premiumwanderweges.

Theorie und Wirklichkeit

Eigentlich klingt es durchaus vernünftig den Wanderern die besten, vollkommensten, sichersten und komfortabelsten Wandertouren anzupreisen, gäbe es da nicht auch zahlreiche "artifizielle Wanderrouten". Solche Routen sind einzig nach den oben genannten Kriterien zusammengebastelt worden und haben somit keinerlei Authentizität im Vergleich zu einem "historisch gewachsenen Wanderweg". Durch einen neuangelegten kleinen Waldpfad nur wenige Meter neben einer asphaltierten Straße oder durch ein paar frisch aufgeschichtete Steinformationen, die als "Ruine aus dem Mittelalter" angepriesen werden, fühlt sich der Premiumwanderer wohl eher ziemlich schnell veräppelt.

Südtirol und der Rest der Welt

Was in Deutschland in verschiedenen Bundesländern gut funktioniert, ist für Südtirol eher uninteressant. Einerseits ist das Südtiroler Wegenetz durchwegs in einem sehr guten Zustand, ausreichend bis hervorragend markiert und andererseits sind natürliche wie kulturelle Sehenswürdigkeiten en masse vorhanden. Schutz- und Berghütten, Hotels, Urlaub auf dem Bauernhof-Betriebe und eine Vielzahl von privaten Zimmervermietern liefern Komfort und Versorgung auf den meisten Wanderrouten. Südtirol ist vielseitig und reizvoll in natürlicher und kultureller Hinsicht und ein Zertifizierungsaufdruck bekräftigt lediglich was immer schon vorhanden war. Und das, ohne neue Wege zu "erfinden". Südtirol ist ohnehin "Premium".

Das ganze Konzept der Qualitäts- und Premiumwanderungen klingt ein bisschen nach der allgemein bekannten Sterneklassifizierung bei den Hotelbetrieben. Mehr Sterne, mehr Serviceleistung, mehr Umsorgung. Auf die Natur umgesetzt würde das bedeuten, weg mit unwegsamen Steigen und ausgesetzten Felsquerungen. Bäume, die unbedacht vor dem potentiell aussichtsreichen Wanderweg in den Himmel wachsen, werden unverzüglich mit der Motorsäge in Kontakt gesetzt.

Der postmoderne Mensch will zwar ständig zurück zur Natur und am besten auch noch in die totale Wildnis, aber natürlich alles immer schön mit 4-Sterne-Zertifizierung, Premiumkomfort und wohl auch mit einer wasserdichten Garantie auf Langeweile. Komisch das alles.

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