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Sentres Magazin – Natur & Umwelt

Pfifferling, Steinpilz und Parasol!

In unterirdischen, geheimen Netzwerken leben sie im Boden oder Holz. Sie sind weder Tier noch Pflanze. Ihre feuchtigkeitsliebenden und rasant vergänglichen Fruchtkörper wecken in uns den Jagdinstinkt.

Ein Bericht von Sunhild Perkmann für sentres.com

Viele geben keinen Pfifferling auf sie. Andere freuen sich das ganze Jahr auf die Pilzsaison. Wir können die Pilze bequem auf dem Markt kaufen oder wir können sie pflücken. Eine der abwechslungsreichsten Outdoor- Beschäftigungen, die es gibt! Selbstverständlich halten wir uns an die mit dem Pilze-Sammeln verbundenen Regeln und Vorschriften. Wir gehören nicht zu den Illegalen, die die Wälder der Südtiroler Naturparks in Planquadrate einteilen, Pilze, die nicht für den Kochtopf bestimmt sind, umschmeißen und die Wälder leer pflücken. Denn der Wald braucht Pilze. Und der Pilz lebt in Abhängigkeit von gewissen Mutterbäumen.

Unblutige Pirsch
Instrumente des Pilz-Jägers sind ein gut belüfteter, weich ausgepolsterter Korb und ein Messer. Es geht auf die unblutige Pirsch. Wie ein Jäger und Sammler längst vergangener Zeiten streift der Pilzsammler durch die Wälder. Den Blick konzentriert auf den Waldboden gerichtet. Um ja nicht den kleinsten Pilz zu übersehen. Fokussierter Steinpilz-Tunnelblick.
Wo verstecken sie sich, die kleinen, großen, köstlichen, schneckenzerfressenen Lebewesen? Ihr Farb- und Formenreichtum scheint beinahe unerschöpflich zu sein. Von den nur geschätzten 1,5 Mio Pilzsorten weltweit und den über 100.000 klassifizierten Arten wachsen etwa 3000 Großpilzarten in Mitteleuropa. 300 davon gelten als genießbar. Schön, dass unser Volkswissen ganze 3 davon überliefert hat: Pfifferling, Steinpilz und Parasol. Immerhin!
Ötzi, unser archäologisches Aushängeschild aus der Jungsteinzeit, hatte zumindest noch - wohl zu Heilzwecken - antibiotisch wirkende Birkenporlinge bei sich. Aber halt! Einen Pilz kennt jeder. Es ist der König der Pilze, der sagenumwobene, giftige Fliegenpilz, unverkennbar in Farbgebung und Gestalt. Wie ein schuppiges Ei schlummert er im Waldboden, um dann jegliches Erdreich zu sprengen und zuletzt in voller weiß-rot-oranger Pracht dem Wald prächtige Farbakzente zu verleihen.

Sich den Tod in den Sammelkorb legen
Risikofreudigkeit ist beim Pilze-Sammeln nicht gefragt. Jedes Jahr wandern ungenießbare und giftige Pilze in die Kochtöpfe leichtsinniger Pilzfreunde. Die Folgen sind bekannt. Die Ambivalenz, köstliche Speisepilze neben tödlichen Giftpilzen stehen zu sehen, die einen zu sammeln, die anderen wachsen zu lassen, gehört zur Pilzjagd jedenfalls dazu. Man fühlt sich ein bisschen als Herr über Leben und Tod - und wählt natürlich das Leben.

Wer findet hier wen?
Als Outdoor-Beschäftigung ist das Pilze-Sammeln ein echter Schlager! Wir bahnen uns unseren eigenen Weg durch den Wald. Kämpfen mit Ästen. Wischen uns Spinnennetze aus dem Gesicht. Flüchten vor Erdwespenlöchern. Atmen frische Waldluft. Beobachten Wild. Naschen die eine oder andere Schwarz- und Walderdbeere. Legen im besten Fall Pfifferling nach Pfifferling, Steinpilz nach Steinpilz in unser Pilzkörbchen. Oder andere Pilzgestalten, die wir kennen und die uns ein schmackhaftes Mahl zusichern. Und nach erfolgreichem Beutezug berichten wir mit vor Stolz geschwellter Brust von Menge und Größe der gefundenen Pilze.
Einer findet Pilze, der andere geht an den prächtigsten Exemplaren wie blind vorbei. Vielleicht finden die Pilze ja uns und nicht umgekehrt. Also: Ab in die Pilze! Lassen wir uns finden!

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