Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Mehr erfahren
zurück zu Geschichte & Kultur

Sentres Magazin – Geschichte & Kultur

Neulich in der Hängematte…

Neulich in einer gemütlichen Hängematte beim Durchblättern einer Berg-Zeitschrift: Irgendwo auf den Seiten X und Y stellen Hersteller ihre neuesten Produkte vor. Cool, denke ich. Doch bei näherem Hinsehen beginne ich doch, etwas zu stutzen. Was es doch heutzutage für irrwitzige Outdoorprodukte gibt.

Ein Artikel von Edith Runer für sentres.

Unwillkürlich fällt mir mein Opa ein. Was der wohl gesagt hätte, wenn er von Mini-Faltstöcken für den Rucksack und von Klettersteigsets mit einem dritten Bremsarm gelesen hätte? Oder von Eispickeln mit wechselbarem Kopf und Stirnlampen mit USB-Aufladung? Ganz zu schweigen von Armbanduhren mit GPS-Funktion, Kompressions-Unterwäsche und Outdoor-Handys.

Heißes Rennen
Es ist schon erstaunlich, welch enorme Entwicklung der Outdoormarkt  in den vergangenen Jahren vollzogen hat. Während sich andere Branchen in den Keller wirtschaften, boomt es auf Wanderwegen, Klettersteigen und Mountainbike-Trails genauso wie in den Outdoorläden. Die Menschen wollen hinaus und hinauf – trotz oder gerade wegen der Krisenstimmung. Und die Outdoor-Fachgeschäfte und Veranstalter von Bergsport-Wochen versuchen, diese Menschen mit immer neuen Produkten und Angeboten für sich zu gewinnen. Die Konkurrenz ist groß. Wird immer größer. Entsprechend heiß ist das Rennen um den sichersten Klettersteiggurt, den bequemsten Radhelm und den leichtesten Schlafsack.

Federleicht und ultra-stabil…
Sicherheit und Komfort: Damit lassen sich Bergsportler wohl am leichtesten überzeugen. Möglichst bequem den Hügel hinauf, möglichst ohne Blessuren wieder herunter – keine Frage, das ist für jeden „Outdoorer“ ein wichtiges Kaufargument. Doch das wissen eben sehr viele, die auf dem Markt mitmischen. Und weil der Trekkingstock, der Kletterhelm und der Rucksack nun schon mal erfunden sind, muss man sie „verbessern“, um der Konkurrenz zuvorzukommen. Dann wird plötzlich alles federleicht und ergonomisch angepasst, dreifach gesichert und ultra-stabil, antischweißbeschichtet und voll atmungsaktiv.

…aber wie nützlich?
Innovation auf dem Outdoormarkt? Finde ich cool. Denn nur mit Visionen und Innovationen gibt es Fortschritt. Nur manchmal frage ich mich, wie viel von dieser Innovation noch innovativ ist und wie viele von den Markt-Revolutionen reine Marketinginstrumente sind. Irgendwie erinnert mich so manches scheinbar innovative Produkt an eine der vielen Diäten in den Frauenzeitschriften: verlockend und spannend – aber wenig nützlich. Natürlich kann mir eine mückenstichfeste Wanderhose nächtliches Kratzen ersparen. Und eine Stirnlampe, die ich am Laptop aufladen kann, mag auch ganz lustig sein. Aber wie sehr brauche ich das alles wirklich?
Tja, mein Opa würde auf diese Frage schelmisch grinsen, den Kopf schütteln und mit  seinem „Steckn“ losmarschieren.    

Zur Startseite