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Sentres Magazin – Geschichte & Kultur

Museion in den Museen - Teil 10

Die schwierige Balance der Geschichte in einer Installation von Miroslaw Balka in der Festung Franzensfeste.

Bis zu 4500 Arbeiter waren von 1833 bis 1838 am Bau der Festung Franzensfeste beteiligt. 250.000 Kubikmeter Stein und 20 Millionen Ziegel wurden verbaut. Die Kosten beliefen sich auf 2,6 Mio. Gulden, nach heutigem Wert etwa 400 Mio. Euro. Gigantische Größenordnungen für ein Festungswerk, das die Route über den Brenner schützen sollte, aber nie zum Einsatz kam. 1871 wurde auf Verlangen der militärischen Planer sogar die Eisenbahnlinie ins Pustertal absichtlich durch die Festung geführt, um im Kriegsfall diese Strecke leichter abriegeln zu können.

Von 1940 bis 1942 wurde im nahe gelegenen Ochsenbühel aufs heftigste gegraben und eine der größten Befestigungsanlagen des sogenannten Vallo Alpino gebaut. Diese Sperre Ochsenbühel (Caposaldo Col dei Bovi) kann man als unterirdisches Pendant zur Festung Franzensfeste verstehen. Wie auch beim oberirdischen Teil wurden für den Bau große Mittel eingesetzt, aber auch diese Festung wurde von den extremen kriegerischen Ereignissen verschont, oder besser gesagt einfach übergangen und erwies sich letztlich zum Glück als überflüssig.

Mehr dazu:
- zur Homepage der Festung Franzensfeste
- zur Homepage des Künstlers Miroslaw Balka
- zum Projekt Museion in den Museen
- zur Sammlung des Museion
- der Geschichtsparcours nach Franzensfeste

Der lange Schlagschatten der turbulenten Geschichte hat die Talenge bei der Franzensfeste nachhaltig verändert, ohne dass der immense Aufwand jemals eine besondere Bedeutung für die historischen Ereignisse seit der Zeit der Erbauung erlangt hätte.
In diesen historischen Kontext tritt nun das Werk des polnischen Künstlers Miroslaw Balka mit dem etwas sperrigen Namen 250 x 205 x 25,30 x 7 x 25. Eine massive Stahlplatte in einem sensiblen Gleichgewicht, eine unbestimmbare Situation, ein Balanceakt, der im Grunde nie gut ausgehen kann. Wenn Besucher über diese Plattform gehen, kippt unweigerlich das Gleichgewicht und die Platte kracht mit tosendem Lärm auf den steinernen Boden. Miroslaw Balka nimmt mit seinem Werk Bezug auf die Geschichte seines Heimatlandes Polen, auf die Rampe als einzigen Zugang zum Warschauer Ghetto. Aber darüber hinaus auch generell auf schwierige Situationen, in denen das prekäre Gleichgewicht des persönlichen Lebens plötzlich kippt. Hier, in der Festung Franzensfeste, die erfüllt ist von gelebter, unruhiger Vergangenheit, kann man sich fragen: Wie viel von unserer historischen Erinnerung halten wir in uns wach? Und welchen Einfluss nimmt ein bestimmter Ort darauf?

Informationen:
Festung Franzensfeste | Forte di Fortezza
Brennerstraße | via Brennero
39045 Franzensfeste | Fortezza
Tel: +39 0472 458 698
info@festung-franzensfeste.it
http://www.festung-franzensfeste.it/

Öffnungszeiten:
1. Mai–31. Okt
Di–So 10–18 h

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