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Sentres Magazin – Natur & Umwelt

Meine Herbstwege - Hanspaul Menara erzählt.

Passend zur Jahreszeit erzählt uns Hanspaul Menara von seinen Herbstspaziergängen!

Der Herbst ist für mich die Zeit, in der ich meine Erlebnisse und die Begegnung mit der Natur nicht mehr oben auf den Bergen suche, wo das Gras bereits abgestorben, die Blumen verwelkt und die Almen verwaist sind und wo mit den ersten Schneefällen der Winter seinen Einzug hält.

Nein, da gehe ich besonders gern die uralten Wege und Pfade in der ländlichen Kulturlandschaft, durch lichte Wälder, durch Wiesen und Felder, artenreichen Gebüschreihen entlang, wo sich das Grün vieler Bäume und Sträucher in eine bunte Vielfalt verwandelt.

Manche dieser Wege sind die Wege meiner Jugend. Als Bub versuchte ich, die knorrigen Eschen und die rot gefärbten Kirschbäume vor dem tiefblauen Himmel mit den Farbstiften festzuhalten, und später machte ich entlang dieser Herbstwege meine ersten Farbfotos.

Aber nicht nur in meiner Jugend, mein ganzes Leben lang übten diese Wege eine ganz besondere Faszination auf mich aus - ebenso mühsam wie gekonnt angelegt von einfachen Bauersleuten mit einfachsten Gerätschaften, gesäumt und gestützt von Trockenmauern, gesäumt auch von Holzzäunen und von artenreichem Gebüsch und überwölbt vom Blätterdach der Bäume.

So bilden diese Wege dort, wo das althergebrachte Bild der Natur und der ländlichen Kulturlandschaft nicht durch moderne Maßnahmen verändert wurde, eine ungemein harmonische Einheit mit den sie umgebenden Wiesen, Rebanlagen oder Obstgärten, mit den ernsten Nadelwäldern, den lichtdurchfluteten Kastanien- und Lärchenhainen, Buchen- und Eichenbeständen, den gemischten Laubgehölzen oder mit der mediterranen Steppenvegetation trockener Sonnenhänge.

Das alles ist es, was mich immer wieder bereichert und in seinen Bann zieht - der alte, von neuzeitlichen "Zutaten"  verschont gebliebene Fußweg zusammen mit seiner natürlichen oder naturnahen Umgebung - nicht selten auch mit den Bergen und den Bauernhöfen im Hintergrund. Diese Wege sind oft Zeugnisse aus der Vergangenheit und damit Kulturdenkmäler im wahrsten Sinne des Wortes.

Natürlich beeindrucken sie mich zu jeder Jahreszeit, aber ganz besonders liebe ich sie im Herbst. Dabei spielt es keine Rolle, ob dieser Herbst an einem wolkenlosen Tag mit seinem tiefblauen Himmel noch all seine Farbenpracht aufbietet, oder ob die Blätter der Laubbäume schon abfallen, die feinen Nadeln der Lärchen sanft und leise zur Erde rieseln, erste Nebelschwaden durchs filigrane Geäst ziehen und erster Reif auf den Wiesen liegt.

Und so weiß ich mir kaum Schöneres als einen Gang durch die Herbstlandschaft - einen Gang, bei dem jede Hast von mir abfällt, bei dem die Zeit ihre Bedeutung verliert und eine tiefe Ruhe mein Inneres bestimmt. Gräser und Sträucher, Felsen und Bäume, Mauern und Zäune, Moose und Farne, Himmel und Erde beginnen da zu erzählen in einer Sprache, die ich umso besser verstehe, je aufmerksamer ich hineinhöre in die Stille...

 

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