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Sentres Magazin – Geschichte & Kultur

"Klosn" in Stilfs

"Klosn" - der geheimnisvolle Brauch

Das Dorf scheint sich regelrecht an den Berghang zu klammern und verliert sich nach oben hin in den Himmel. Stilfs – ein Haufendorf. Ruhig ist es hier. Der Blick schweift zum Bergriesen Ortler hinüber. Trotz der vielen Menschen, die sich im Dorfzentrum versammelt haben, ist es bemerkenswert still an diesem klirrend kalten Dezembertag. Spannung ist spürbar. Sie ist der Vorbote des „Klosn“, welches hier alljährlich stattfindet.

Ein einzelnes Schellenläuten dringt von der kleinen Anhöhe oberhalb des Dorfes herab. Und noch eines. Ein Schrei. Plötzlich braust und tost eine Lärmwelle daher. Binnen weniger Sekunden beben die Straßen. Die Schaulustigen sind umgeben von Burschen, die, in knallbunte Fetzen gekleidet, übergroße Glocken läuten, von schwarzen Krampussen mit furchterregenden Masken, von kettenrasselnden “Eseln”. Und weiter hinten schreitet gemächlich der „Santa Klos“ (Nikolaus) daher. Milde lächelnd, als ginge ihn das furchteinflößende Treiben nichts an. Die „Weißen“ folgen ihm. Das sind die „Lichtträger“, die „Rutenträger“, „Katechismusträger“, die „Kastenträger“.

Klosn in Stilfs. Ein prämusikalisches Lärmritual. Ein bunter, ein lautstarker, ein geheimnisvoller Brauch, dessen Wurzeln sich heute nicht mehr eindeutig bestimmen lassen. Und trotzdem wird voll Passion daran festgehalten. Alljährlich, am Samstag vor oder nach dem Tag des hl. Nikolaus, schlüpfen junge Burschen zwischen 14 und 20 Jahren in die Rollen von fabelhaften Gestalten. Schreiend und schellend ziehen sie von Haus zu Haus und beschenken die Kinder, wenn diese ein Gebet sprechen.

Bis zum Avemarialäuten. Da versammeln sich Schaulustige und -spieler an der Kirchenpforte. „Engel des Herrn“ beten sie. Voller Andacht. Minuten der Stille.

Doch dann schwillt es wieder an, das Läuten und Gröhlen. Wildes Wirbeln, tolles Treiben in den Gassen von Stilfs. Bis sich spät abends alles erschöpft und schweißüberströmt in den Wirtshäusern und Dorfschenken einfindet. Auch mystische Wesen sind irgendwann durstig.

Dieses Jahr findet das „Klosn“ am 4. Dezember statt. Beginn des Umzugs ist um 14 Uhr. Bringt garantiert Schwung und Farbe in den Winter.

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