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Sentres Magazin – Natur & Umwelt

Herbstliches Treiben - die Südtiroler Weinstrasse

Gemütlich zückelt die Autokolonne hinter einem Traktor, in Richtung Kaltern. Ich zückle mit. Durch das Autofenster bläst warmer aber schon herbstlich angehauchter Wind. Die Luft draußen wirkt klar und der Himmel liegt wie ein blaues Tuch über dem Überetsch. Die ganze Situation ist typisch für die Erntezeit an der Südtiroler Weinstrasse.

So dahintuckernd bleibt viel Zeit für Beobachtungen, nach der Arbeit eine entspannende Abwechslung. Jedes Jahr dasselbe Spiel, irgendwann ist es soweit und Südtirols Weinstrasse ist voll mit langsam fahrenden, schwer beladenen Traktoren. Dazu kommen die Urlauber die, die Landschaft betrachtend, dahinschleichen. Da bleibt nur eins: tief durchatmen geduldig sein und genießen. Ach ja, schön ist die Erntezeit im Herbst.

Draußen ziehen Meere an Weinreben vorbei, die meisten noch voll behangen mit der süßen Frucht. Immer wieder mal schimmern die bunten Kopftücher und Schürzen der Erntehelfer durchs Laub und manchmal hört man wie die Trauben in die Großkisten platschen. Erntearbeit ist anstrengend, meistens ist die "Pergl" zu nieder um aufrecht darin zu stehen, bei der Spaliererziehung fehlt die Laube und man arbeitet den ganzen Tag in der Sonne. Die Finger, die Haare, die Kleidung, alles klebt vom rinnenden Saft der Frucht, genau das versteht man unter Traubenernte, dem "Wimmen".

Hoch in den Wipfeln der Apfelbäume scheinen die Bauern auf ihrer Hebebühne durch die Baumreihen zu schweben. Es ist schier unglaublich was durch Technik alles möglich ist. Zum Glück der "Großgrund-Bauern" hierzulande. Sind nämlich die Äpfel richtig reif und die Gradierung der Trauben gut, muss es schnell gehen. Schnell bevor ein Regen kommt, schnell bevor es abends zu spät ist die Ware zu liefern und schnell bevor es nachts wieder zu kalt wird. Und bei dieser Anspannung ist eine Hebebühne Gold wert.

Links von mir die Kalterer Kellerei, reges Treiben herrscht davor. Hoch stapeln sich die Erntekisten auf den Anhängern der Traktoren. Rundherum stehen die Bauern in kleinen Gruppen. Wild gestikulierend unterhalten sie sich wohl über die Qualität der heurigen Ware. Fast alle tragen sie eine blaue Südtiroler Schürze, den "Firtig" - ganz traditionell geht es zu. Ich mags. Durch das offene Autofenster strömt der Duft von Wein und Gärung.

Einige Meter weiter sitzt vor einer Vinothek in der Sonne eine kleine Gruppe Touristen bei einem Gläschen Rotwein. Prüfend wird das Glas gegen das Licht gehalten und in der Hand geschwenkt. Weinlaub ziert den Tisch. Hier schließt sich der Kreis und das ist gut so, die harte Arbeit der Bauern hat Ihren Sinn. Ich biege rechts ab ins Zentrum von Kaltern und verlasse das Schauspiel Weinstrasse. Jetzt freue ich mich auf ein gutes Glas Rotwein zum Abendessen. Alle Jahre wieder!

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