Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Mehr erfahren
zurück zu Natur & Umwelt

Sentres Magazin – Natur & Umwelt

Hanspaul Menara - Südtirols Profi-Wanderer

Mit Hanspaul Menara im Gespräch - Teil 1: Wie alles begann..

Hanspaul Menara ist ein Wanderer, ein Publizist und ein Forscher; Fotograf, Südtirolliebhaber und Landeskundler. Er hat die Wander- und Bergsteigerbuchszene Südtirols nicht nur bereichert, sondern mitbegründet.
Seine rund 52 Bücher, deren Gesamtauflage mittlerweile 730.000 Exemplare umfasst, und seine weit über 1.000 Zeitungsbeiträge haben den gebürtigen Sterzinger zu einer Ikone für Wandertüchtige in Südtirol gemacht. Seine Bücher informieren jedoch über weitaus mehr, als nur über den Verlauf verschiedenster Wanderwege. Sie erzählen von Südtirols Flora und Fauna, von der Namensgebung der Berge, Täler und Weiler.
Mittlerweile ist Menara einer der besten Kenner der Alpenregion. Im Jahre 2005 wurde er für sein schriftstellerisches Gesamtwerk mit dem Verdienstkreuz des Landes Tirol ausgezeichnet.

Neben seinen Büchern schreibt Hanspaul Menara wöchentlich einen Wandertipp für das “Dolomiten Magazin”. Darin stellt er, passend zu Wetter und Jahreszeit, familienfreundliche Wanderungen vor – und das schon seit rund 30 Jahren! In Südtirol sagt man sich, dass gerade jene Wanderziele vielbesucht sind, welche Menara am Freitag beschrieben hat.

sentres: Herr Menara, waren Sie schon als Kind voller Neugier und Entdeckerdrang?

Menara: Ich bin in Sterzing geboren. Unser Wohnhaus befand sich auf dem Schwemmkegel Lahn, von dem es hieß, dass darunter die Römersiedlung Vipitenum begraben sei. Als Kind stellte ich mir oft vor, wie es wohl wäre, wenn ich, so wie es Schliemann einst mit Troja machte, diese geheimnisvolle römische Siedlung eines Tages ausgraben würde. Und gleichzeitig fragte ich mich, welche verborgenen Schätze unser Land wohl sonst noch zu bieten habe. Der Wissensdurst hatte mich gepackt. Das war der Anfang.

Gleichzeitig spürte ich damals schon eine tiefe Verbundenheit mit meinem Heimatland. Es gefiel mir, wo ich lebte. Sterzing hatte einst die größte Pfarrkirche zwischen München und Verona. (lacht) "Des hot so an kloanen Bua schun stolz gmocht“. Und – ja – ich war neugierig auf Südtirol. Es schien mir, als warte das Land darauf, entdeckt zu werden.

sentres: Erinnern Sie sich an Ihre ersten Abenteuer? An die ersten Erlebnisse in den Bergen?

Menara: Ja, mein erster Berg, das war natürlich der Rosskopf. Es gab damals kein Radio und keinen Fernseher. Da hat jeder seine Freizeit draußen in freier Natur verbracht. Wir Kinder haben dort am Rosskopf gespielt und durften uns an den Telfer Weißen im “Kraxln” versuchen. Und wenn jemand ein Edelweiß oder einen gelben Alpenmohn gefunden hat, war das für mich eine kleine Sensation. Die Natur faszinierte mich. Ich wollte den Berg ganz genau erforschen.

Der Hochfeiler war mein erster Dreitausender. 16 Jahre war ich damals alt. Ich erinnere mich an den Sonnenuntergang dort oben. Alles um mich herum schien wie mit Gold übergossen. Wir saßen dort in einer Hütte, an jenem Abend, und die Älteren haben patriotische Lieder gesungen. „Bergkameraden sind treu“, oder so ähnlich, und draußen protzte der Himmel mit seinem überwältigenden Farbenspiel. Ich glaube, das war der Moment, als mich das Bergfieber gepackt und vollkommen von mir Besitz ergriffen hat. Dieses Erlebnis hat mich berührt.

sentres: Erinnern Sie sich vielleicht auch an Ihre ersten Versuche mit dem Fotoapparat?

Menara: Ich hatte immer schon das Bedürfnis festzuhalten, was mich begeisterte. Im Sommer habe ich Blätter nachgezeichnet. Nicht etwa, weil ich über ein besonderes künstlerisches Talent verfügte, sondern um ihre Schönheit für den Winter zu bewahren. Vielleicht, um der Vergänglichkeit ein bisschen entgegenzuwirken. Ich wünschte mir, Schönes wäre von Dauer.

Erste Fotos habe ich mit dem Apparat meines Bruders geknipst. So fotografierte ich die ersten Bergblumen. Und dies schürte weiterhin meinen Wissensdrang. Ich wollte immer genau wissen, was ich da fotografierte, und habe mich mit Büchern beschäftigt, um Flora und Fauna bestimmen zu können.

sentres: Und so wurden der Berg und die Fotografie zu Ihren größten Hobbys?

Menara: Es ging mir darum, meine Bergerlebnisse festzuhalten. Sie zu vermitteln. Irgendwann habe ich mir meine erste Fotoausrüstung leisten können. Und dann ging alles recht schnell. Plötzlich zierte eines meiner Bilder die Titelseite einer deutschen Alpinzeitschrift. Und eines Tages hatte der Südtiroler Verlag “Athesia” Interesse an meinen Fotos, um diese für einen Kalender zu verwenden. Das hat mich dann schon gefreut, als ich eines Tages in ein Büro in Bozen gegangen bin, und da hing eines meiner Fotos an der Wand. Das war anfangs ja fast unglaublich für mich!

sentres: Und wie entstand Ihr erstes Buch?

Menara: Eines Tages war ich im Ridnauntal unterwegs. Dort im Talschluss, nach der Teplitzerhütte, unter dem Becherfelsen, ist ein neuer Gletschersee entstanden. Als ich den das erste Mal sah, kam in mir die Frage auf, wieviele Seen es in Südtirol wohl gäbe, und ob es nicht sinnvoll wäre, diese zu erfassen und zu beschreiben. Es war im Jahre 1970, als ich kurzerhand beim Athesia Verlag nachgefragt habe, ob Interesse an einem Südtiroler Seenbuch bestehe. Die waren damals von der Idee sehr angetan und meinsten, gemeinsam mit dem Dr. Rampold als Autor, könnte das was werden.

Und so haben der Rampold und ich uns an die Arbeit gemacht. Wir sind die schönsten Seen abgewandert, haben ihre Länge und Breite erfasst. Und natürlich auch die Tiefe. (lacht) Das war schon eine tolle Prozedur. Wir haben ein Brett mit einem Loch in der Mitte als Vermessungswerkzeug verwendet. Durch das Loch haben wir ein dünnes Seil mit einem Stein als Gewicht daran ins Wasser gelassen, um die Tiefe des Sees ausmachen zu können. Für mich war das eine Art Forschungsarbeit, dieses erste Buch.

sentres: So waren Sie eher ein Forscher, als ein Bergsteiger?

Menara: Ich bin kein Bergsteiger. Ich bin ein Berggeher! Ich bin kein Sportstyp. Das Gehen bedeutet für mich Erleben und Entdecken. Mit Geschwindigkeit und Höhenmetern hatte ich nie etwas am Hut. Es ging mir tatsächlich immer um das Erkunden. Der Forscher in mir wollte es eben immer ganz genau wissen. Und so kam es nach dem Erfassen der Südtiroler Seen zur Aufzeichnung der Entstehungsgeschichten der Schutzhütten und zur Erhebung der Wasserfälle.

Ein Buch kam zum anderen. Irgendwann konnte ich diese Arbeit hauptberuflich machen. Und so wurde mein Hobby zu meinem Traumberuf.

Nächste Woche – Teil 2: Menara über die Zukunft des Berges

Zur Startseite