Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Mehr erfahren
zurück zu Natur & Umwelt

Sentres Magazin – Natur & Umwelt

Flora und Fauna - Auf Höhenwegen zwischen Rein und Antholz

Jeden Monat schildert Hanspaul Menara die diversen Arten der Flora und Fauna, so auch im August.

Am Hang, durch den mein Weg ansteigt und gerade die Waldgrenze verlässt, blühen das Wald-Weidenröschen und der Storchschnabel, und im satten Grün der üppig wuchernden Vegetation stehen die blassgelben Säulen des giftigen, von Mythen umwobenen Gelben Eisenhutes, der auch Wolfs-Eisenhut genannt wird, weil man mit seinem Gift einst die Wölfe bekämpfte. 

Früh morgens
Dann noch ein kurzes Steilstück und ich erreiche eine grüne Hangverebnung mit mehreren kleinen Seeaugen, an deren Rand das Wollgras seine flauschigen weißen Fruchtköpfe in die frische Bergluft reckt. Die große, erwartungsvolle Ruhe des Bergmorgens liegt über dem Land, im Wasser spiegeln sich die mächtigen Fels- und Eishäupter der Rieserfernergruppe. Und einige Zeit später folge ich dem Höhenweg, der sich durch mageren Graswuchs, Alpenrosengebüsch und sonstige Zwergsträucher schlängelt, gesäumt von Glockenblumen, Rapunzeln und Goldruten.

Unterkunft Tipps in der Umgebung:
in Sand in Taufers:
- das Vitalpina Alphotel Stocker
- das Vitalpina Hotel Drumlerhof
in Rein:
- das Berghotel Alpenrast 
- der Urlaub auf dem Bauernhof Oberhof

Gestein & Vegetation
Einmal überquert mein Weg ausgedehnte, vom Gletscher glattgescheuerte Granitfelsen - beim hellen gesprenkelten Gestein handelt es sich um den sogenannten Rieserferner-Tonalit - und dann hat mich die Bergvegetation wieder, auch wenn das Gelände recht steinig ist.
Und weil ich nicht vorhabe, irgendeinen Hochgipfel zu besteigen, sondern eben nur dem Höhenweg zu folgen, der die Hänge quert, spielt der Faktor Zeit keine Rolle. Irgendwo, in einigen Stunden, vielleicht erst kurz vor dem Dunkelwerden, werde ich wieder ins Tal absteigen, jetzt aber habe ich alle Zeit der Welt, um mich dem Erlebnis Bergnatur zu widmen, das auch ein Augusttag noch bereithält.

Mehr Flora als Fauna
Die Tierwelt hält sich auffallend zurück. Ein Stück weit haben mich zwar die unverkennbaren Rufe des Bergpiepers begleitet, aber sonst tut sich nicht viel. Beim Blick hinauf zu den Gletschern fällt mir allerdings jene 7000 Jahre alte Hirschgeweihstange ein, die vor Jahren da oben gefunden wurde. Wäre das ein Anblick, so ein prächtiges Stück Rotwild vor der Hochgebirgskulisse der Gletscher und Dreitausender...
Doch weiter - lange vom Wildbestand vergangener Zeiten zu träumen, dafür reicht meine Zeit nun doch nicht, und im Übrigen verlangt schon bald nicht nur das Übersetzen des einen und anderen Bergbaches meine ganze Aufmerksamkeit, sondern auch eine Wegstrecke, in deren Bereich sich die gesamte alpine Silikatflora versammelt zu haben scheint.

Silikatflora
So manchen Vertreter dieser Flora habe ich bereits auf dem bisherigen Weg gesehen und weitere erwarten mich noch auf dem Weiterweg. Hier aber, noch teilweise im weniger vegetationsfreundlichen Granitgelände und dann erst recht, wo das für die Pflanzenwelt einladendere Schiefergestein die Szene beherrscht, tut die Flora ganz so, als sei das Ende des Bergsommers noch weit, weit weg.
Das zierliche Resedenblättrige Schaumkraut trägt nach wie vor seine hübschen weißen Blütchen mit den vier Blütenblättern und dazu die wie abgebrochene Stängel aussehenden Fruchtschötchen, auch der Stern-Steinbrech ist da, unweit davon die wohlriechende Klebrige Primel, unser "Blauer Speik", dann das den harten Felsboden scheuende und dennoch bis auf die höchsten Alpengipfel steigende Alpen-Leinkraut; auch der Alpen-Ehrenpreis, der mit dem bekannten Felsen-Ehrenpreis so wenig gemein hat, dass manche ihn für eine Art Vergissmeinnicht halten, und der Moschus-Steinbrech mit seinen gelben Blütensternen und dem harzigen Geruch.

Bunt gemixt
Sogar ein bergtüchtiger Löwenzahn scheint sich hier oben wohl zu fühlen, dann natürlich das allgegenwärtige Stängellose Leimkraut, der Bayerische Enzian, das Gold-Fingerkraut, der Tannen-Bärlapp, Scheuchzers Glockenblume, der Trauben-Steinbrech, die Wucherblume, die Moschus-Schafgarbe. Und schließlich darf auch der Gletscherhahnenfuß ebenso wenig fehlen wie die beiden vielleicht schönsten Gelbblüher, der Gletscher-Petersbart mit seinen rundlichen und die Gämswurz mit ihren sternförmigen Blüten.

Fazit
So mache ich an diesem August-Tag eingehende Bekanntschaft mit der Spätsommer-Flora in jenem östlichen Teil Südtirols, der sich als prächtige Hochgebirgsgruppe zwischen dem Tauferer-Ahrntal und dem Antholzer Tal erhebt und als Naturpark "Rieserferner-Ahrn" schon lange unter gesetzlichem Naturschutz steht.

Zur Startseite