Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Mehr erfahren
zurück zu Natur & Umwelt

Sentres Magazin – Natur & Umwelt

Flora und Fauna am Kalterer See.

Eine Umrundung des Kalterer Sees schafft Hanspaul Menara freudige Begegnungen mit Pflanze und Tier.

Fast zwei Kilometer lang und nahezu einen Kilometer breit ist der Kalterer See, das größte Naturgewässer Südtirols. Und außerdem ist er als wärmster See der gesamten Alpen bekannt. Für seine Umrundung rechnet man normalerweise drei Gehstunden - ich bin einen ganzen Tag lang unterwegs. Denn auf Schritt und Tritt gibt es naturkundlich Interessantes zu sehen und zu entdecken, auch wenn wir erst Mitte März haben.

So unterschiedlich die Geländeformen sind, die ich durchwandere, so unterschiedlich ist die Vegetation. Auf der Westseite der Rundwanderung treffe ich auf blühende, von Hummeln eifrig besuchte Schlehdornsträucher und Mandelbäume, auf Eschen-Ahorne sowie auf einzelne Feldulmen mit ihren charakteristischen Korkleisten und Flügelsamen.

Beobachtungen 

Am Wegrand blühen Reiherschnabel und Persischer Ehrenpreis, Purpurrote Taubnessel und Turm-Gänsekresse, Zypressen- und Sonnwend-Wolfsmilch, Schöllkraut und Hirtentäschel, Acker-Schmalwand und Behaartes Schaumkraut, und an der Böschung eines Wassergrabens wuchert rot und weiß blühender Beinwell.

Im südlichsten Teil des Sees, wo ausgedehnte Moore, Sümpfe und Wasserflächen das Bild bestimmen, stehen Schwarz- und Silberpappeln, ausgedehnte Schilfbestände wechseln mit üppigem Weidengebüsch, allenthalben sprießt frisches Grün und neues Leben.

Die Ostseite

Besonders artenreich ist dann die Vegetation an den ostseitigen Hängen. Da finden sich im Flaumeichen-Buschwald der Mäusedorn mit seinen stechenden Blättern, weiß blühende Steinweichsel, auch die Strauch-Kronwicke und der Behaarte Zwergginster, beide mit ihren gelben Blüten. Dann die Schmerwurz mit ihren herzförmigen Blättern, die Mauerraute neben Braun-, Schwarz- und Grünstieligem Streifenfarn, Große Fetthenne, Weißwurz, Großer Ehrenpreis, Weißveilchen, Frühlings-Platterbse, Knoblauchsrauke, Kleines Immergrün, Leberblümchen und wieder die Turm-Gänsekresse mit ihren frischen grünen Blättern und den dünnen Samenschoten vom Vorjahr. Und schließlich, bereits im Norden des Sees, der Acker-Gelbstern sowie der Wilde Hopfen mit seinen jungen Trieben, die als wilder Spargel in manchen Teller wandern.

Tierische Begleiter

Die Zahl der mir begegnenden Tierarten ist natürlich ungleich kleiner als die der Pflanzenarten, aber doch größer als bei manch anderer Wanderung. Da hockt ein prächtiger Grünfink auf dem Ast eines Laubbaumes, die Luft ist erfüllt vom anhaltenden Zwitschern der Girlitze, am Rand eines Wasserlaufs hocken gut getarnt junge Wasserfrösche, und an den Porphyrfelsen sonnen sich Mauereidechsen.  

Lange beobachte ich von einem hölzernen Beobachtungsturm aus die für solche Seegebiete typischen Vogelarten. Unter mir picken zwei Schilfrohrsänger eifrig zwischen den Wasserbüschen herum, Graureiher stehen in den Sümpfen, drüben fliegt eine Rohrweihe, ein großer, schwarz-weißer Greifvogel, mit schwerem Flügelschlag über die Fluren, und unweit davon segelt ein Silberreiher übers Moor. Und auch die obligaten Stockenten sind da, das Männchen, der Erpel, bis in den Mai hinein natürlich noch in seinem Prachtkleid. Aber auch gefiederte Sänger, die nicht zu den ausgesprochenen Wasservögeln gehören, lassen sich sehen oder hören: die Singdrossel, die Schwanzweise, die Mönchsgrasmücke, der Kleiber, die Amseln.

Die vielfältige Wasserfauna ist eine der biologischen Besonderheiten des Kalterer Sees. Aber die Pflanzen- und Tierwelt des Gebietes umfasst, wie mir gerade meine Wanderung gezeigt hat, wesentlich mehr. Und so verlasse ich den Kalterer See, als die Sonne hinter dem Mendelkamm verschwindet, überaus reich beschenkt mit Naturerlebnissen und faszinierenden Einblicken.

Zur Startseite