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Sentres Magazin – Natur & Umwelt

Flora & Fauna - Oktober am Tschögglberg

Der Tschögglberg ist jetzt ein farbenfrohes Paradies, findet Hanspaul Menara.

Er ist kein Berg, der Tschögglberg, aber er ist auch kein Tal. Sondern ein flacher, langer Höhenrücken zwischen dem Etschtal im Westen und dem Sarntal im Osten oder, anders, zwischen Meran und Bozen. Wiesen und Wälder, Höfe und Dörfer, sanfte Hügel und gletschergeschliffene Felskuppen - solch eine Landschaft ist reich an vielfältiger Flora und Fauna.

Wald und Wiese
Mein Weg führt mich zuerst lange durch den Wald. Föhren, Fichten und Lärchen bilden mit ihren Ästen, Zweigen und Nadeln ein filigranes Dach über mir, aber auch Buchen und Eichen findet man hier oben, trotz der Höhe von 1200 Metern und darüber. Und natürlich die großen Bäume der Vogelkirsche, die im Frühling so prachtvoll geblüht haben und jetzt nicht weniger prachtvoll ihr rot-gelb leuchtendes Herbstkleid tragen. Immer wieder sind Wiesen in die Waldungen eingestreut, oder es breiten sich lichtdurchflutete Lärchenhaine aus wie jene berühmten des Saltens. Auch manch kleinen, in das rote Porphyrgestein geschnittenen Graben gilt es zu queren oder einen der Vöraner "Knottn" zu besteigen.

Es blüht immer noch
Da und dort blühen Herbstzeitlosen, Fransenenzian, Habichtskraut und Wachtelweizen und tun so, als sei der Sommer noch nicht zu Ende; aber insgesamt sind doch die meisten heimischen Blumen verblüht. Eingeschleppte Fremdlinge jedoch, sogenannte Neophyten, entfalten auch jetzt ihre Blütenpracht, wie etwa die Riesen-Goldrute oder das Springkraut, deren allzu besitzergreifende Ausbreitung man freilich mit einer gewissen Sorge verfolgt. Das gilt selbstverständlich nicht für die großsternige Silberdistel und die zarte Golddistel, die jetzt ihre hohe Zeit haben. Viele Bäume, Sträucher und Stauden tragen um diese Zeit ihre reifen Früchte: die Wildrose oder Hagebutte, die Berberitze, die Brombeere, die Schlehe, der Weißdorn, der Nachtschatten, der Haselstrauch, die Eiche, die Buche.

Die Töne der Herbstvögel
Wald und Ried und Hain und Gebüsch sind das Reich vieler Tiere. Mögen sich Teile der sommerlichen Vogelschar auch bereits in Richtung Süden verabschiedet haben, so hörte oder sah ich auf meinem Weg doch manch alten Bekannten: den Buchfink etwa, die Haubenmeise, die Tannenmeise, die Wacholderdrossel, den Kolkraben, den Tannenhäher. Ja, und da war auch noch der Eichelhäher, der im Licht- und Schattenspiel eines Laubbaumes so gut getarnt war, dass ich ihn sicher übersehen hätte, wenn er nicht "Laut gegeben" hätte - einmal echt „eichelhäherisch ratschend", dann wieder miauend wie ein Bussard. Ja, ja, denke ich, mach du nur den Bussard nach, ich weiß schon, dass du "Fremdsprachen" beherrschst. Aber ich habe dich erspäht und weiß, dass du nur eine "Gratsch" bist. 

Und zum guten Schluss
Bei all dem hätte ich beinahe übersehen, dass weiter oben am Waldrand eine Rehgeiß mit gleich drei Jungen stand, offenbar unschlüssig, ob sie den Schutz der nahen Bäume verlassen und ins helle Licht hinaustreten sollte oder nicht. Wie sie sich entschied, kann ich nicht sagen. Denn ich zog mich still und leise zurück. Und schließlich lenkte ich meine Schritte über den Tschögglberg im warmen Licht der herbstlichen Nachmittagssonne wieder dorthin, woher ich gekommen war.

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