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Sentres Magazin – Natur & Umwelt

Flora & Fauna - Juli in den Ultner Bergen

Für seinen Juli - Beitrag war Hanspaul Menara in Ulten unterwegs. Es hat sich gelohnt, lesen Sie selbst.

Langsam steige ich frühmorgens den alten Weg neben dem rauschenden Wildbach bergan. Hoch über mir ragt die Silhouette einer Lärche mit einem mächtigen Hexenbesen in den noch bleigrauen Himmel, am Weg blühen Milchlattich, Gelber Eisenhut und Grauer Alpendost.
Erst ziemlich hoch oben, im Bereich der Waldgrenze, lege ich eine längere Rast ein. Ein herrlicher Julitag bricht an hier in den Ultner Bergen
Mein Blick fällt auf ein Spinnennetz, das wie das Geschmeide eines Kunstschmieds im ersten Sonnenlicht glänzt, ein hübscher Grasfrosch schaut mich, wie mir scheint, etwas verwundert an, und in einer nahen Wiese steht eine Rehgeis und schickt sich an, nach dem leckeren Frühstück wieder in den Wald zurückzukehren.

Die Welt der Tiere

Ich gehe weiter – auf dem dürren Ast einer der Lärche tut ein Zaunkönig lauthals aller Welt kund, dass er ein Waldvogel und ein Singvogel ist und nicht nur ein „Pfutschkinig“. Immerhin teilt er sich das Revier mit Tannenhäher, Klappergrasmücke und Ringdrossel. Wenig später lasse ich noch ein Grünerlengebüsch hinter mir, wandere über Zwergstrauchheiden, quere steinige Grashänge und komme an einem der vielen Ultner Bergseen vorbei.
Dohlen, Kolkraben, Murmeltiere, Gämsen, Steinadler, Steinschmätzer, Bergpieper und eine Bergeidechse - bekannte und weniger bekannte Bewohner der Hochregion lassen sich blicken an diesem meinem Bergtag. Und in der Nähe einer kleinen felsigen Erhebung lässt mich jener unauffällige Vogel, der sich Alpenbraunelle nennt, erstaunlich nahe an sich herankommen.

Eine unglaubliche Pflanzenvielfalt.

Der Juli ist die hohe Zeit der Bergblumen. Freilich, nicht jeder Tag ist ein so windstiller und warmer Sonnentag wie der heutige, und wenn der Nordwind fauchend den Bürstling peitscht, wenn eisiger Schneesturm über die Grate fegt, ist die Überlebensfähigkeit der Flora selbst während der guten Jahreszeit auf eine harte Probe gestellt.
Aber sie hat sich den harten Umweltbedingungen angepasst, und die Arten- und damit die Farben- und Formenvielfalt ist auch hier in den sogenannten Silikat- oder Urgesteinsbergen erstaunlich groß. Die Rostblättrige Alpenrose blüht hier oben auch jetzt noch, ebenso die Schwefelanemone. Dort, wo Wasser in silbernen Fäden über den Fels herunter rieselt, lauert das blauviolette Fettkraut mit seinen fleischfressenden Blattrosetten auf Beute, unweit davon leuchten die gelben Sterne des Fetthennen-Steinbrechs, und ebenfalls gelbe, aber wesentlich stattlichere Sterne sind es, die inmitten des Zwergwacholders leuchten - die Sterne der gelben Hauswurz, die ihre rot blühenden Verwandten an Größe und Schönheit, wenn auch nicht an Zahl übertrifft. Aber auch Enzian, Gämswurz, Felsen-Ehrenpreis, Augentrost, Blauer und Gelber Eisenhut, Bärtige Glockenblume, Endivien-Habichtskraut, Arnika, Alpenaster und Kohlröschen sind vertreten.

Höher oben, ganz besonders. 

Je höher ich steige, desto geringer wird der floristische Artenreichtum. Doch gerade sie sind es, die ausgesprochenen "Hochalpinisten" unter den Bergblumen, die mich stets ganz besonders faszinieren. Und weil es im Bergkranz, der das Ultental umschließt, auch so manchen prächtigen Dreitausender gibt, finden wir hier auch die entsprechende Hochgebirgsflora: das Hornkraut mit seinen lilienförmigen Blüten, den Moos-Steinbrech, den Gletscher-Petersbart, das Stängellose Leimkraut, die Zwergmiere, das Alpen-Leinkraut, die Alpen-Wucherblume und schließlich, wo wirklich nur noch Fels und Eis das Bild beherrschen, den Gletscher-Hahnenfuß.
Schließlich verabschiede ich mich von dieser großartigen Welt der Höhen und Hochgipfel und trabe talwärts - im warmen Licht des späten Nachmittags und begleitet von unvergesslichen Eindrücken und Einblicken, die mir die Ultner Bergnatur an diesem Julitag geschenkt hat. 

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