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Sentres Magazin – Natur & Umwelt

Flora & Fauna - Im innersten Martelltal.

Hanspaul Menara entdeckt im Martelltal die Vorboten des Herbstes und erzählt von seiner Tour.

Im Gebiet, dem ich vom Marteller Talschluss ausgehend an diesem Septembertag zustrebe, lag vor gut 150 Jahren noch das Gletschereis. Und zwar jenes der "Kleinen Eiszeit", die zwischen 1600 und 1850 herum die alpinen Gletscher beängstigend vorstoßen ließ und zur Bildung eines Eissees führte, der mehrmals ausbrach und das Martelltal verheerte.

Seither beobachten wir den unaufhaltsamen Rückzug der Gletscher und befürchten, dass sie eines Tages ganz verschwunden sein werden. - Noch aber leuchten die höchsten Marteller Regionen im strahlenden Weiß der Firne.

Hauptsächlich Grüntöne

Ich wandere durch Zirbenbestand und Lärchenhaine bis zu den Höhen oberhalb der Waldgrenze. Mich begleitet das Rauschen der Plima, des Talbachs, der in einer tiefen Felsschlucht seinen Weg sucht. Das Gras an den Hängen ist noch grün, so mancher Enzian oder Steinbrech, Hornkraut, Alpenscharte und auch Fleischers Weidenröschen blühen noch, doch der große sommerliche Blütenreichtum gehört für dieses Jahr der Vergangenheit an.

Und während Lärchen und manche Sträucher sich zu verfärben beginnen und dadurch für das Landschaftsbild eine Bedeutung gewinnen, die ihnen im Grün-in-Grün des Sommers nicht vergönnt war, wende ich mich verstärkt jenen Pflanzen zu, denen die Natur einen prächtigen Blütenschmuck verwehrt hat.

Alpine Pflanzenarten

Mondraute und Bärlapp, Flechten mit so unterschiedlichen Vertretern wie Isländisch Moos, Totengebeinsflechte oder Landkartenflechte, dazu ein weithin leuchtender Bovist und die verschiedenen Zwerg- und Strauchweiden von der Rasenweide über die Netzweide bis zur Schweizer Weide, natürlich auch Rauschbeere und Zwergwacholder - sie alle sind nicht weniger wichtig als die Pflanzen mit den leuchtenden Blüten, ja gerade die meisten der Genannten sind es, die als Bodenfestiger wesentlichen Anteil an der Bildung und Erhaltung der alpinen Pflanzendecke haben.

Bevor ich ins Tal zurückkehre, sitze ich noch eine Weile dort, wo die Karte ein "Klösterle" verzeichnet, es aber nie ein solches gegeben hat. Unweit von mir, inmitten vieler Steine und Blöcke, vertraut ein Schneehuhn auf die vorzügliche Tarnfarbe seines Gefieders, das sich im kommenden Winter, wenn der Schnee das Bild beherrscht, in reines Weiß verwandelt haben wird. Denn wie der Schneehase ist auch das Schneehuhn ein Meister der Tarnung.

Rückblick

Schließlich steige ich ab. Zufrittspitze und Veneziaspitzen erstrahlen im letzten Sonnenlicht. Doch die Schatten der Abenddämmerung kriechen rasch höher, und wie ich unten im Tal ankomme, liegt bereits das fahle Licht des Mondes auf den Gletschern

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