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Sentres Magazin – Sport & Touren

Eisklettern in Südtirol

Von Kerzen, Blumenkohl- und Erdbeereis

Das ist schon oft ein beklemmendes Gefühl, wenn man da mitten in der Eiswand hängt, nur an einem Arm, dessen Muskeln anfangen zu brennen, während man mit der anderen Hand versucht die Schraube ins Eis zu drehen.“ Seine Augen funkeln jedesmal, wenn er den Begriff „Herausforderung“ verwendet. „Ja, sind die denn allesamt verrückt, diese Eiskletterer?“, frage ich mich.

Er sitzt vor mir. Breitschultrig. Begeisterung steht ihm ins markante Gesicht geschrieben. Anfängliches Zögern ist sofort gewichen, als er anfing, von meterhohen, spiegelglatten, senkrechten Eiswänden zu erzählen; vom gläsernen Blau, in dem sich die Sonne spiegelt. Valentin Riegler, 44, berichtet von Temperaturen unter 20 Grad Minus, von bösen Eissplittern und von berstenden „Kerzen“, als wären dies die normalsten Dinge der Welt.

Eissorten

Auf solche Erzählungen folgt selbstverständlich meine Frage nach dem Risiko, dem man sich als Eiskletterer aussetzt. „Mit der Zeit entwickelt man ein immer besseres Einschätzungsvermögen. Um sicher klettern zu können, müssen viele Faktoren berücksichtigt werden. Man sollte den Zustieg genau kennen, über Wetter und Lawinengefahr im Gebiet informiert sein und natürlich den Aufbau des Eises abschätzen können. Ein gewisses Restrisiko bleibt zwar immer bestehen; aber“, lacht Valentin, „gekuglt bin i jo no nia.“

Den Aufbau des Eises abschätzen, hat er gesagt. Ist Eis denn nicht gleich Eis? „Überhaupt nicht. Mit einer Veränderung der Temperatur geht stets eine Veränderung der Konsistenz des Eises einher. Innerhalb weniger Stunden kann sich die Beschaffenheit eines gefrorenen Wasserfalls völlig verändern. Eis arbeitet ständig. Diese Spannung spürt man, wenn man beim Klettern diesem einzigartigen Element ganz nahe ist.“ Valentin erklärt mir den Unterschied zwischen „Blauem Eis“, „Röhreneis“ und „Blumenkohleis“. Ich persönlich bevorzuge ja Erdbeereis, geht es mir durch den Kopf.

Eiskalte Leidenschaft

Eiskletterer. Was sind das für Typen? Bergführer wahrscheinlich. Handwerker vielleicht.

Thomas Aichner ist aber Tourismusdirektor der Marketinggesellschaft Meran. Und leidenschaftlicher Eiskletterer seit über 10 Jahren. "Eisklettern – das hat weniger mit Verrücktheit zu tun, als mit purer Leidenschaft.“ möchte er mir begreiflich machen.

Außerdem habe die stete Entwicklung von Ausrüstung und Materialien in den letzten Jahren dazu beigetragen, das Risiko und die Gefahr, der man sich aussetzt, einzugrenzen. Und wenn jemand das Risiko minimal halten möchte, besteht immer noch die Möglichkeit, an künstlich errichteten Eistürmen zu klettern. Da hängt man sogar an einem Seil.

„Es ist gut möglich, dass diese Gefahrenminderung zum Zuwachs beigetragen hat, den das Eisklettern in den letzten 5 Jahren erfahren hat. Plötzlich ist auch das Interesse der Medien, vor allem jenes der Outdoor-Zeitschriften, an diesem Nischensport gestiegen. Bergführer bieten heute sogar Schnupperkurse an. Und so wächst die Szene in Südtirol. Ein schleichender, stiller Trend vielleicht?“ Ja, das würde sich Thomas wünschen.

„Es ist jedes Mal ein Abenteuer. Wenn sich mit dem Einfall des Sonnenlichts die Blautöne des Eises ändern. Wenn man da, bei schneidender Kälte, in der Eiswand hängt und einem trotzdem der Schweiß vor Hitze den Rücken runterläuft.“

So langsam begreife ich.

Eisklettern in Südtirol

„Es gibt hier unzählige Möglichkeiten um Eisfälle emporzuklettern.“ Das hat mir Valentin bei unserem Treffen erzählt. Bekannte Orte sind Schnals, das Martell- und das Langental. „Dort trifft sich die Szene, sozusagen.“

Er aber bevorzugt Eisklettern in entlegenen Tälern Südtirols. „Wenn nämlich noch keine Spur im Eis auszumachen ist, dann ist das Abenteuer pur. Da bahn ich mir meinen eigenen Weg. Da gibt es nur mich, gefrorenes Wasser und dieses wunderschöne Krachen, wenn ich den Pickel ins Eis schlage.“

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