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Sentres Magazin – Sport & Touren

Eigenverantwortung vs. Gesetz

Der österreichische Oberste Gerichtshof setzt Standards für den Bergsport, in Italien wird weiter nach dem Gesetzgeber gerufen.

Vor kurzem hat der Oberste Gerichtshof Österreichs eine sogenannte außerordentliche Revision eines Urteils des Oberlandesgerichtes Linz zurückgewiesen. Damit wurde ein für den Bergsport in Österreich wichtiges und grundsätzliches Urteil rechtskräftig.
Zum Hintergrund: Im Jahre 2006 wurde in einem Klettergarten bei Lofer eine junge Frau sehr schwer verletzt. Ein massiver Steinbrocken hatte sich gelöst und die Bergsportlerin einige Meter mit hinunter gerissen. Die darauf hin erfolgte Klage gegen den ÖAV wurde in mehreren Instanzen abgewiesen. Laut Erkenntnis des Gerichts gebe es keine konkreten gesetzlichen Vorschriften für die Wartung von Kletterwegen; mit den stattgefundenen regelmäßigen Kontrollen habe der ÖAV alle zumutbaren Kontrollen durchgeführt. Das Ereignis war in dieser Form keinesfalls vorhersehbar, in diesem bedauerlichen Unglücksfall habe sich das Risiko des Klettersports manifestiert. Dr. Andreas Ermacora, Rechtsanwalt und Vizepräsident des ÖAV, hat diesen Fall hier dargestellt.

Dieser Gerichtsfall behandelt natürlich ein konkretes Unglück, berührt aber auch die Frage wie sehr gesetzliche Regeln in den Bergsport eingreifen und wie viel Eigenverantwortung dem Einzelnen überlassen werden soll bzw. muss. In Südtirol gab es, zumindest was Klettergärten betrifft, noch keinen ähnlichen Fall und wird es hoffentlich auch nicht so schnell geben. Aber natürlich macht sich auch der AVS Gedanken zu diesem Thema.
Grundsätzlich, so Gislar Sulzenbacher, Geschäftsführer des AVS, muss man die Situation differenziert betrachten. Klettergärten, Klettersteige und ähnliche, gesicherte Strukturen am freien Berg, werden von den lokalen Sektionen des AVS gewartet und einigermaßen regelmäßig überprüft. Dasselbe gilt für die Wanderwege mit eventuell gesicherten Wegabschnitten. Wie häufig und gründlich dies geschieht, hängt von den Möglichkeiten der einzelnen Sektionen ab.

Ebenso wenig wie in Österreich gibt es in Italien gesetzliche Bestimmungen zur Wartung solcher Einrichtungen. Dies ist auch in Ordnung so, denn nicht jeder Bereich soll und muss geregelt werden. Problematisch wird es nur, sollte wirklich einmal ein Unglücksfall vor ein italienisches Gericht kommen. Die wirren Gerichtsentscheidungen der letzten Jahre im Bereich Skitouren lassen hier nichts Gutes erahnen.

Der AVS übernimmt durch die Betreuung der Strukturen implizit auch Verantwortung und Haftung, daher wird auch versucht, das Mögliche und Zumutbare zu unternehmen, um den Berg- und Klettersport so sicher wie möglich zu machen. Da sich in Südtirol zahlreiche Klettergärten und Klettersteige befinden, von den tausenden Kilometern Wanderwegen ganz zu schweigen, ist es eigentlich beinahe unmöglich, mit den vorhandenen Mitteln alle Strukturen immer perfekt zu warten. Es handelt sich auch um touristisch relevante Einrichtungen. Hier stellt sich natürlich die Frage, inwieweit sich die gesamte Tourismusbranche an der Finanzierung direkt beteiligen sollte.

Die Fragen nach Haftung und Gesetzen sollte aber Bergbegeisterte nicht von Ihrem Sport abhalten und die vielen ehrenamtlichen Helfer nicht vom Ehrenamt abschrecken. Jedem Nutzer dieser Einrichtungen müsste eigentlich klar sein, dass die Erhaltung der Strukturen eine Aufgabe der Bergsportler insgesamt ist, egal ob Mitglied des AVS oder nicht. Daher auch der Aufruf des AVS an alle Kletterer, Wanderer und Tourengeher sich mit einzubringen und einen Beitrag für die Sicherheit am Berg zu leisten. Verantwortung darf nicht vom Einzelnen auf den Alpenverein oder auf öffentliche Strukturen abgewälzt werden, Verantwortung muss in erster Linie jeder selbst wahrnehmen. Längerfristig kann man wahrscheinlich nur so die unselige Tendenz zu mehr Gesetzen und Regeln verhindern.

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