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Sentres Magazin – Sport & Touren

Die Massenpanik(mache)

Immer wieder ist in alpinen Zeitschriften davon die Rede. Werden künftig wirklich die Massen auf die Gipfel strömen?

Gedankenverloren ziehe ich meine Spuren durch den Schnee, der unter meinen Fellen angenehm knirscht. Oben nur Weiß, weit unten zwei  Punkte, die sich langsam nähern. Der erste Sonnenstrahl kitzelt mein Kinn. Wärme macht sich breit – und damit die gute Stimmung für einen perfekten Tourentag. Wäre da heute Morgen nicht dieses Frühstück gewesen. Oder besser diese Zeitschrift, die mir während des Kaffeetrinkens in die Hände geriet. Zugegeben, man muss nicht immer alles glauben, was in der Zeitung steht. Aber das, was ich da von angeblichen Alpin-Experten erfahre, löste in mir doch so etwas wie Befremden aus. Oder nennen wir‘s beim Namen: Es hat mich geärgert.

Von einer Massenbewegung ist da die Rede, zu der sich das Skitourengehen in den letzten Jahren entwickelt hat. Von einer Breitensportart, die mit Alpinismus wenig mehr zu tun haben soll. Von verwegenen Gipfelstürmern, die weder steile Rinnen noch hohe Lawinenwarnstufen abschrecken. Von einer zukünftigen olympischen Disziplin Skitourengehen und davon, dass in einigen Jahren die Hälfte der Skifahrer Tourenbindungen haben werden – auch wenn sie nicht alle benutzen werden.

Skitourentipps in der Einsamkeit der Südtiroler Berge
(hier werdet ihr keinen Massen begegenen):
Auf das Hasenöhrl in Ulten
Schwarzseespitze im Passeiertal
Danzebell im Vinschger Oberland

Das einzige, was mir zu solchen Berichten einfällt, ist: Panikmache.
Zugegeben: Das Skitourengehen hat sich in den vergangenen Jahren enorm entwickelt. Waren es früher ein paar eingefleischte Einzelgänger, die sich ab dem Spätwinter in aller Frühe zu den Gipfeln aufgemacht haben, so zieht es mittlerweile schon ab dem Spätherbst zahlreiche Tourengeher hinauf in die Pulver-Hänge. Die unvergleichliche Kombination von  sportlicher Betätigung, Naturerlebnis und erholsamer Ruhe macht die Faszination des Skitourengehens aus. Und genau das ist es, was immer mehr Wintersportler suchen. Warum also nicht? Warum nicht Tourengehen  anstatt sich auf der Piste zwischen Tausenden anderen Skifahrern  tummeln?
Skitourengehen liegt im Trend – ganz unbestritten.

Und wenn an manchen Wochenenden die spärlichen Parkplätze an den Ausgangsorten der Tourenklassiker schon um 7 Uhr vollbesetzt sind, dann mag das einige Tourengeher ärgern. Auch wenn an den weißen Pulverhängen mitunter kein  unverspurtes Plätzchen mehr für die Abfahrt frei ist, nagt dies am Gefühl von Freiheit und  Einsamkeit. Doch Gedränge am Skiberg, das ist nicht die Regel, sondern nach wie vor eher die Ausnahme. Die allermeisten Touren lassen sich – zumindest in Südtirol – noch voll genießen.

Und noch etwas: Für eine Massenbewegung oder eine Breitensportart ist das Skitourengehen – das wage ich zu behaupten – schlichtweg zu anstrengend. Am freien Tag um fünf oder sechs Uhr aufstehen, bei Eiseskälte stundenlang den Berg hinaufschnaufen, und oben fehlt dann auch noch die gemütlich warme Hütte – das ist nichts für Massen und Breiten.  Zum Glück. Deshalb: Panikmache ist hier sicher fehl am Platz.

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