Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Mehr erfahren
zurück zu Natur & Umwelt

Sentres Magazin – Natur & Umwelt

Die Fledermaus - Hanspaul erzählt

Fledermäuse zu fotografieren ist gar nicht so einfach. Von seinen Glücks - Bildern erzählt uns Hanspaul Menara.

Ich habe diese Artikelreihe kürzlich mit der Schilderung dramatischer Ereignisse am Ortler begonnen. Doch will ich hier keineswegs nur von mehr oder weniger spektakulären Bergerlebnissen berichten. Deshalb sei diesmal gleich ganz bescheiden von meinen ebenso bescheidenen Begegnungen mit einem so unspektakulären Tierchen erzählt, wie es die Fledermaus ist - in meinem Fall die Zwerg-Fledermaus, vom Wissenschaftler Pipistrellus Pipistrellus genannt.

Sind schon gewöhnliche Mäuse trotz Wald Disneys Micky Maus den meisten Menschen nicht sonderlich sympathisch, so gilt Ähnliches wohl auch für die "fliegenden Mäuse", neben den ungleich größeren Flughunden die einzigen Säugetiere, die fliegen können.

So kann auch ich nicht sagen, dass ich jemals ein besonderes Interesse an den kleinen Fluggeschöpfen entwickelt hätte, obwohl ich sie schon in meiner Kindheit abends oft im Schein der Straßenlampen herumflattern sah. Damals hieß es, man müsse sich vor ihnen in Acht nehmen, denn sie gerieten den Menschen gerne in die Haare und ließen sich von dort nicht mehr entfernen.

Auch als ich begann, meine Umwelt und insbesondere die Natur fotografisch festzuhalten, spielte die Fledermaus als mögliches Fotomodell nie eine Rolle, zumal sie sich bei Tag ja meist im Verborgenen hält und erst abends aktiv wird. Dem Tierchen mit größerem technischen Aufwand, wie etwa Lichtschranke oder Fernauslösung, zu Leibe zu rücken, lag mir nicht, und es auf normale Art und Weise zu fotografieren, schien mir angesichts der Schnelligkeit, mit der es durch die Nacht schwirrte, mehr oder weniger unmöglich.

Eines Tages aber - es sind jetzt genau 50 Jahre her - gelang mir dann doch ein Foto, und das rein zufällig. Ich war gerade auf dem Weg von Sterzing in Richtung Unterackern, wo es in naturkundlicher Hinsicht immer etwas zu erleben gab, da sehe ich am helllichten Tag eine Fledermaus durch die Luft fliegen. Blitzschnell reiße ich die umgehängte Kamera, auf der gerade das 300er Tele montiert ist, in die Höhe und schieße ein Bild.

Ob ich die Fledermaus im Eifer des Gefechts überhaupt getroffen hatte und wenn, ob die Entfernungseinstellung stimmte, das wusste ich natürlich noch nicht, denn die Digitalfotografie gab es noch lange nicht, und bis der Diafilm von einer der Entwicklungsanstalten in Stuttgart oder Mailand zurückkam, vergingen schon etliche Tage, wenn nicht mehr.

Doch als ich das Dia mit dem "Gucki" - einem kleinen Dia-Vergrößerungsgerät - zum ersten Mal betrachtete, war ich freudig überrascht. Die Linse, mit der ich das Bild geschossen hatte, war kein sündteures Hochleistungsobjektiv, und der Agfa- oder Perutzfilm mit 18 DIN war nicht der "glatte" Kodachrome 25 (ältere Fotoamateure wissen, wovon ich spreche), aber die am helllichten Tag fotografierte Fledermaus war einwandfrei als solche zu erkennen. So freute ich mich natürlich sehr über das seltene Bild.

Trotzdem kümmerten mich die Fledermäuse fortan nicht mehr als vorher, will heißen, eigentlich gar nicht. So vergingen die Jahrzehnte, bis ich kürzlich in der Abenddämmerung über unserem Garten eine Fledermaus sah, die immer wieder in Höhe der am Gartenrand stehenden Bäume ihre Runden flog. Ohne konkrete Hoffnung, vom Tierchen ein brauchbares Bild machen zu können, holte ich die Kamera, stellte den manuellen Fokus auf etliche Meter ein, hielt den Apparat mit aufgeklapptem Blitzgerät und nach oben gerichtetem Objektiv einfach vor mich hin, schaute aber nicht durch den Sucher oder auf den Monitor, sondern einfach so in den sich mehr und mehr verdunkelnden Abendhimmel.

Und richtig, da erscheint, gerade noch erkennbar, von links kommend die Fledermaus, ich drücke auf den Auslöser und sehe das blitzschnell vorbeifliegende Tierchen schön hell im Schein des Blitzlichts - für jenen winzigen Bruchteil einer Sekunde zwar nur, den es vom Blitzgerät beleuchtet wurde, aber immerhin.

Ob die in alle unsere Lebensbereiche eindringende Digitaltechnik nur Gutes bringt, bleibe dahingestellt, aber wenn man abends eine Fledermaus im Flug fotografiert hat und wissen möchte, ob man sie überhaupt getroffen hat und wenn ja, ob sie einigermaßen als solche erkennbar ist, da weiß man es zu schätzen, dass das Bild dank besagter Technik sofort nach der Aufnahme betrachtet werden kann und nicht erst nach Tagen des Wartens.

Jedenfalls zeigte sich, dass ich, als die Fledermaus am Abendhimmel auftauchte und über den Garten flog, genau im richtigen Augenblick den Auslöser betätigt hatte. Der Blitz war genau in dem Moment aufgeflammt, als sie ihre Flügel schön ausgebreitet hatte. Und auch, etwas vom Wichtigsten, die Entfernungseinstellung stimmte einigermaßen - welch ein Zufall. Eine Reihe von glücklichen Faktoren also, die mir ein Bild von einer Fledermaus bescherten. Ich habe an jenem Abend noch mehrmals versucht, ein weiteres Fledermausfoto hinzubekommen. Aber vergebens. Einmal befand sich das Tierchen außerhalb der Reichweite des Blitzgeräts, einmal stimmte die Entfernungseinstellung nicht, und dann waren auf dem Bild gar nur die Blätter der Rosskastanie zu sehen - die es allerdings, rein vom ästhetischen Standpunkt aus betrachtet, mit der Fledermaus wohl aufnehmen konnten.

So habe ich in meinem nun schon recht langen Leben ganze zweimal eine Fledermaus "auf den Film" gebannt, einmal bei Tag und einmal bei hereinbrechender Nacht. Es sind keine Meisterfotos geworden, und Bilder, die ich weit mehr dem Zufall verdanke als meinem fotografischen Können. Und dennoch sind es Aufnahmen, die für mich größeren persönlichen Erinnerungswert haben als viele bedeutend besser gelungene. 

Zur Startseite