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Sentres Magazin – Geschichte & Kultur

Der Waaler - der fast vergessene Beruf

Der Waal ist heute für die meisten Leute nur noch im Begriff "Waalweg" wirklich verständlich. Der Beruf des "Waalers" war über Jahrhunderte eine höchst angesehene Tätigkeit. Sein Handeln entschied über Gedeih oder Verderb der Ernte. Ein kleiner Teil der ehemaligen Waale ist heute noch im Vinschgau und im Burggrafenamt erhalten.

Der Beruf des Waalers war besonders in den schwer zugänglichen und meist auch gebirgigen Gegenden der Welt eine vielgefragte Tätigkeit. Die Hauptaufgabe des Waalers war es den "Waal", also den per Menschenhand gefertigten Wasserverlauf für Bewässerungszwecke, in Stand zu halten. Ablagerungen von Sand, Blättern und Zweigen mußten entfernt werden, der Wasserstand kontrolliert und kleine Havarien repariert werden.

Ausgeklügeltes Warnsystem
Tag für Tag wanderte der Waaler mit helebardenähnlichen Grabenbeilen die Wasserkanäle entlang und sah nach dem Rechten. Falls es größere Schäden am Waal gab, wurde unverzüglich die Interessenschaft, also die Bauern der zu bewässernden Felder, verständigt. War die "Waalschelle", ein kleines Glöckchen, das den einwandfreien Wasserfluss bestätigte, verstummt, so mußte der Waaler sich aufmachen um das Problem zu lokalisieren und zu beheben. War er dies nicht alleine im Stande, wurden mit Lichtzeichen und ausgespannten Leintüchern die umliegenden Bauern aufmerksam gemacht.

Zahlreiche Aufgabenbereiche
Besonders die Schneeschmelze in der Frühjahrszeit bescherte dem Waaler viel Arbeit. Der sprunghaft ansteigende Wasserpegel ließ so manchen Waal an seine Grenzen stoßen. Die "Abkehren", die seitlichen Ableitungen der Waale wurden geöffnet, um größere Schäden zu vermeiden. Auch die rechtmäßige Wasserverteilung oblag dem Waaler. Der Begriff "Road" bezeichnete die Reihenfolge der Wasserzuleitungen auf die verschiedenen Felder. Je weniger Wasser zur Verfügung stand, umso aufwendiger wurden die Berechnungsregeln zur Wasserverteilung. Wer, wann, wieviel Wasser bekam, war oft auch ein veritabler Streitgrund zwischen den Bauern.

Waaler und Waalweg
Die Wichtigkeit der Waale und demnach auch der Waaler, hat heute stark an Bedeutung verloren. Der Großteil der Waale in Südtirol sind heute aufgrund der großräumigen Bewässerungsanlagen aufgelassen. Die verbliebenen Waale vorallem im Vinschgau und  Burggrafenamt werden hauptsächlich aus touristischen Zwecken erhalten. Ein Spaziergang auf einem Waalweg vermittelt heute nur noch wenig vom kraft- und zeitaufwendigen Beruf des Waalers in längst vergangener Zeit. Früher wurde der Waaler mit Naturalien, in Form von ein Paar Laib Brot oder ähnlichem "bezahlt". Heute würde dies wohl niemanden mehr reichen um ein Leben als Einzelgänger in einem kleinen Hüttchen im Wald zu bestreiten. 

Bekannte Waalwege in Meran und Umgebung sind: Marlinger Waalweg, Maiser Waalweg, Algunder Waalweg, Brandiswaalweg, Verdinser Waalweg, Rablander Waalweg, Riffianer Waalweg

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