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Sentres Magazin – Sport & Touren

Der Altenberg

„Ich war am Alten“, hat mir eine Bekannte beiläufig erzählt. Den werde ich doch wohl kennen. Ich kenne ihn nicht. Ich habe noch nie von ihm gehört. Gut, ich habe viele Jahre im Ausland zugebracht, woher sollte ich also den Alten kennen? Spannend wie ein neuer Fall für Kriminalhauptkommissar Rolf Herzog ist er allemal, der Altenberg.

Gleich hinter der Alten Grieser Pfarrkirche (Bozen) gehtʻs los. Die passionierten Spaziergänger, die die Wanderung mit einer Terrainkur beginnen lassen wollen, biegen einfach in die Guntschna-Promenade ein. Wer seinem Körper sofort eine beträchtliche Anzahl Schweißtropfen abringen möchte, nimmt hingegen Kurs auf den alten, steilen Plattenweg nach Glaning. Dieser mit der Nr. 9 markierte „Ochsenweg“ kreuzt mehrmals die Guntschna-Promenade, und auch für die Bequemen heißt es schließlich: die Muskeln sind warm genug für den Aufstieg!
Gelb blühende Opuntien („Fackendisteln“) und andere mediterrane Gewächse säumen bald schon den Weg am Sonnenhang. Das laute Singen der Zikaden lenkt vom eigenen, geräuschvollen Atmen ab. Am Buschenschank „Föhrner“ vorbei und hinauf bis zur Glaninger Straße (ca. 50 Minuten ab Gries).

Jene dämpft zunächst meine freudige Erwartung auf einen asphaltlosen Weg zum Altenberg. Ich halte mich rechts an die Markierung Nr. 5, bis links, beim „Trattner“, die Nr. 6 steil nach oben in den Wald führt. Im Unterholz raschelt es verdächtig. Die grün-blau schillernde Smaragdeidechse, die vor mir flüchtet, ist wohl genauso erschrocken wie ich.

Das Wasserglas steht bereit
Wald, Wald, Wald, dazwischen rote Porphyrfelsen. Brüchiges Gestein. Es gibt Situationen, da würde sich selbst beim Wandern ein Steinschlaghelm bewähren: Im Wald ein dumpfes Geräusch, und schon donnert nur ein paar Meter vor mir ein ordentliches Stück Fels über den schmalen Weg und geräuschvoll weiter nach unten. Auf diesen Schreck hinauf labe ich mich ein paar Minuten später an dem kühlen Nass eines Brünnleins. Ein umsichtiger und weit denkender Freund aller Wanderer und Ausflügler hat dafür sogar (s)ein Wasserglas deponiert. Es befindet sich in Reichweite des Dürstenden an einem Holzzaun...

Im steinernen Labyrinth der Flak-Station
Nach einer guten Stunde (ab Straße) bin ich oben: auf der Hochfläche. Zum bewaldeten Gipfel (1223 m) biegt links die Markierung 6A ab (15 Minuten). Überall Mauerreste und verfallene Gebäude, Stufen, Nischen, Scharten. Die Überreste der Flak-Station aus dem Zweiten Weltkrieg (Love and Peace!) bietet heute dem hungrigen Wanderer eine Menge Gelegenheiten, sich die mitgebrachten Brote schmecken zu lassen: Holzbänke und -tische laden geradezu zum Verweilen ein. Eine gemütliche, herzhafte Jause - dort, wo es vor knapp 70 Jahren wüst zugegangen ist...

Auf dem Martinsweg
Ich bin am Martinsweg, ein „Gott-Erlebnis-Naturerfahrungsweg“. Besinnungspunkte. „Gehen-camminare-ji ́“ steht auf einer der kleinen dreisprachigen Tafeln, die den Martinsweg begleiten. Ich gehe. Gehe ein Labyrinth aus, das mitten im Wald, zwischen den Bäumen, aus Steinen gelegt worden ist. Und gehe dann weiter, zunächst zum „Locher“ und dann auf Weg 33A (lauschig!) über das Franzosenkreuz nach Jenesien. Getroffen habe ich keine Menschenseele.
Ich bin wohl nicht die Einzige, die den Alten nicht gekannt hat. Dabei schau ich so gerne Krimis.

Zum nachwandern geht's hier entlang.

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