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Sentres Magazin – Geschichte & Kultur

Das Gipfelbuch

Schlicht und unscheinbar, oft abgegriffen und tausendmal durchblättert, meist in einer schmalen Blechkiste eingeschlossen und mit einem einfachen Kugelschreiber versehen – so verharrt es dort oben am Berggipfel. Tag und Nacht, Winter wie Sommer. Es übersteht jeden Schneesturm, trotzt jedem Gewitter, ist Seelentröster und Lebensretter, aber woher kommt es eigentlich, das Gipfelbuch?

Es hätte wohl viele Geschichten zu erzählen, das kleine Buch am großen Gipfelkreuz. Von Menschen, die oben ankommen, von Alten und Jungen, von Erschöpften und Befreiten, von Enthusiastischen und Nachdenklichen. Die Menschen erzählen darin von ihren Hoffnungen und Wünschen, von ihren Glaubensbekenntnissen oder einfach nur von ihrer Erleichterung, den beschwerlichen Aufstieg geschafft zu haben. Und mitunter, wenn ihre Gipfelfreude nicht mehr zu bremsen ist, verlieren sie auch einen deftigen Spruch, den sie dann – sorgfältig mit Datum und Namen versehen, in dem kleinen Buch verewigen.

Geschichte des Gipfelbuches

Ja, ein Gipfelbuch hätte viel zu erzählen. Doch kaum einer, der darin blättert oder darin philosophiert, macht sich Gedanken darüber, warum es eigentlich da oben liegt, das Gipfelbuch. Nun, so wie die Gipfelkreuze haben auch die Gipfelbücher eine lange Geschichte. Doch im Unterschied zu den Gipfelkreuzen, die sich – zumindest im Tiroler Raum – angeblich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen lassen, gibt es für die „Geburtsstunde“ der Gipfelbücher keine verlässlichen Quellen. Tatsache ist, dass dort, wo ein Gipfelkreuz steht, sehr oft auch ein Gipfelbuch vorhanden ist. Allerdings gibt es keine Bestimmung, die ein solches irgendwo vorschreibt, wie Gislar Sulzenbacher, der Geschäftsführer des Alpenvereins Südtirol (AVS), betont.

Meistens seien es die örtlichen AVS-Sektionen, die die Bücher auf den Gipfeln in ihrem Einzugsgebiet deponieren. Manche Gipfelbücher seien aber auch Hüttenwirten, Bergführern oder Tourismusvereinen zu verdanken. Sowohl die Bereitstellung der Bücher als auch der Metallkassetten wird oft von Sponsoren unterstützt. „Metallkassetten und Bücher des AVS werden zum Beispiel seit Jahren von der Südtiroler Sparkasse mitfinanziert“, erklärt Gislar Sulzenbacher. Der Verband der Berg- und Skiführer wurde bei seiner Gipfelbuch-Aktion indessen von den Raiffeisenkassen und der Firma Salewa unterstützt.

Das Gipfelbuch als Retter

Das Gipfelbuch hat nicht nur die Funktion eines Gästebuches und ist eine Fundgrube für spirituelle Gedanken und Poesie, sondern es kann in Notfällen auch den Bergrettern sehr von Nutzen sein – so wie dies auch bei den Hüttenbüchern der Fall ist. Eintragungen von Namen mit Datum können zum Beispiel darauf hinweisen, wo sich eine vermisste Person vor ihrer Abgängigkeit aufgehalten hat. Aus dem Gipfelbuch lässt sich aber auch die Besucherfrequenz abschätzen. Auf so manchen einsamen Gipfeln stoßen Wanderer oder Bergsteiger auch auf mehrere Jahre alte Eintragungen.

Wer das Gipfelbuch deponiert, der kümmert sich meistens auch um den Austausch von vollgeschriebenen mit neuen Büchern. Wo aber landen die kleinen poetischen Gipfel-Werke, wenn sie ihre Mission erfüllt haben? Laut Gislar Sulzenbacher vom AVS gibt es in Südtirol kein zentrales Archiv für Gipfelbücher. Meistens würden jene Personen und Institutionen für die Aufbewahrung der guten alten Stücke sorgen, die auch für die neuen Bücher verantwortlich sind.

Digitale Konkurrenz?

Eines ist sicher: Auch wenn das digitale Zeitalter längst auch die Bergwelt erfasst hat, den guten alten Gipfelbüchern wird so schnell kein elektronischer Konkurrent zu Leibe rücken. Am Großglockner hat man zwar schon vor einigen Jahren ein Online-Gipfelbuch eingerichtet (Besteiger konnten ihre Erlebnisse und Grüße via Internet mit einem nur am Gipfel ersichtlichen Zugangscode weitergeben). Doch der Versuch wurde ein Jahr später erfolglos aufgegeben.

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