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Sentres Magazin – Sport & Touren

Climbing Angie

Klettern, klettern, klettern. Geschichten aus dem Leben der jungen Südtiroler Weltmeisterin im Eisklettern.

Es ist tiefer Winter, die eisige Wand strahlt Kälte aus, die Finger frieren. Kräftige Arme schlagen den Pickel in die klirrend weisse Schicht – am Gerät hängt die Athletin Angelika Rainer. Manchmal, sagt sie, überkommt einen in der Wand die Angst. Wenn man jetzt keinen Halt findet, abrutscht und fällt, die Schmerzen wären schrecklich. Sie leidet unter der Kälte, fragt sich hin und wieder warum sie sich das alles antut und beisst wieder die Zähne zusammen. Immer höher geht es hinauf, Tritt um Tritt, Atemzug um Atemzug. Dicht verfolgt von Ihren 2 Mitstreiterinnen, kämpft sich die Meranerin Richtung Ziel. 

Wir sind im rumänischen Busteni und beobachten die WM im Eisklettern. Als Angelika Rainer dann am Siegertreppchen steht, ist die Angst wie weggeblasen. Die Freude und Zufriedenheit kehrt ein; irgendwann erinnert man sich nur noch an die guten Momente. Das ist die Faszination am Klettern: Erfolgsgefühle treiben einen an, sie belohnen die Überwindung.

Die Welt erklettern
Angelika ist viel unterwegs, unter anderem ist auch das der Reiz am Klettern. Durch das Reisen lernt sie die Welt kennen - klettern kann man überall und das ist das Spannende an ihrem Sport. Die Anstrengungen dieser Reisen leugnet sie nicht. Von der Botschaft, übers Visum in den Flieger. Dann sind da die Auseinandersetzung mit neuen Kulturen und mit anderen Trainingsbedingungen. Zeit ist Luxus, vor allen Dingen im Leben einer Extremsportlerin. Den Plan, ihren Master in Slowenien zu absolvieren, hat sie vorerst aufgeschoben. Gerade den 2. Weltmeistertitel ergattert zu haben und einen Tag darauf alleine in einer Wohnung in Slowenien zu sitzen, war nicht stimmig. Die Heimatverbundenheit und die Liebe zur Familie holten Sie zurück.

Pläne
Vielleicht steckt sie in Zukunft bei den Wettkämpfen zurück, nicht wegen des Trainings, das macht ihr grossen Spass und sie tut es gern. Aber die notwendige Motivation immer alles zu geben und auf vorgegebene Termine hinzuarbeiten kostet wahnsinnig viel Kraft und Ehrgeiz.  Man trainiert auf etwas hin, ist oft in der Halle und klettert auf Struktur. Der Weltcup war ihr großes Ziel, aber ihr fehlte das Quäntchen Glück. Dann wird telefoniert, ihr Freund redet ihr zu, wie einem kranken Tier, baut sie auf und holt sie aus dem dunklen Loch der Enttäuschung.

Natürlich will Sie weiterklettern, im Sommer macht sie sowieso keine Wettkämpfe. Es dreht sich dann alles um Projekte beim Sport- und Alpinklettern – die Konzentration liegt auf Aktivitäten im Freien. Die junge Athletin ist dann immer am Felsen unterwegs und kann im Winter Wasserfälle klettern und "Mixed Routen" gehen. Während sie davon erzählt, strahlen ihre Augen.

Die Sucht des Sports
Nein, ohne klettern ginge es nicht! Am Schlimmsten empfindet Angelika die erzwungen Ruhephasen wegen Verletzungen - wenn man nicht darf. Aber nach Wettkämpfen genießt sie ihre fixe 3 Wochen Pause pro Jahr. In diesen Phasen hat sie dann Zeit für anderes. Apropos anderes: Heuer hat sie das Rennrad fahren für sich entdeckt, volle Begeisterung für eine andere Sportart. Abends aufs Rad setzen 2 Stunden treten als Konditionstraining. Die Begeisterung äußert sich in der unterschiedlichen Wahrnehmung beider Sportarten. Beim Klettern ist man 10 Minuten voller Anspannung auf der Route und im Ausdauersport kämpft man sich oft über Stunden bis ins Ziel. Das unterschiedliche Zeitgefühl fasziniert.

Fazit: im Leben der jungen Weltmeisterin gehts rauf und runter. Nicht ohne Grund ist der Titel ihrer homepage „my upside down world“. Gar nicht so verkehrt.

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