Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Mehr erfahren
zurück zu Geschichte & Kultur

Sentres Magazin – Geschichte & Kultur

Berg Heil?

Der Gipfelgruß, immer wieder ein durchaus kontroverses Thema. Aber gibt es Möglichkeiten dem zu entkommen, gibt es Alternativen?

Früh am Morgen, die Sonne kämpft sich über den Horizont. Mit eisigen Fingern wird das Fell eingehakt und sorgfältig über den Belag gespannt. Erste langsame Schritte, der Atem dampft. Es wird steiler, die Steighilfe kommt zum Einsatz. Mit gutem Rhythmus geht es jetzt aufwärts, abwechselnd vorne spuren und sich am Ende der Gruppe etwas ausruhen.

Die Waldgrenze ist erreicht, das gleißende Morgenlicht flutet die weiten weißen Almen, weit darüber kommt das Ziel in Sicht. Nach kurzer Pause im selben Schritt weiter, nur noch wenige Höhenmeter über den scharfen Grat. Die Ski abschnallen, über einen kurzen Felsvorsprung hinauf und bis zum eingeeisten Gipfelkreuz. Geschafft! Der Blick schweift über die unglaubliche Berglandschaft, die Kameraden sammeln sich auf dem Gipfel. Zufriedene Gesichter, ein entspanntes Lachen. Ein kräftiger Händedruck oder ein flüchtiges Bussi auf verschwitzte Wangen.

Da ist er plötzlich, dieser unausweichliche Moment. Der klassische Gruß der Berge ertönt auf dem Gipfel, dieser herzlich gemeinte Glückwunsch zwischen Freunden nach gemeinsamer Anstrengung. Und doch, ein kleiner Hauch Unwohlsein bleibt hängen; diese Ahnung von dunkler Geschichte, gestreckten Armen und Uniformierten im Gleichschritt.

Sind wir etwa übersensibilisiert, sozusagen vorauseilend politisch korrekt, weil der an sich schöne Wunsch „Berg Heil“ solche Assoziationen wecken kann? Und gibt es überhaupt Alternativen? Wir können uns auf dem Gipfel natürlich auch gegenseitig anschweigen und nur der Stille der Natur lauschen. Vielleicht wäre das der Natur gegenüber respektvoller. Oder wie wäre es mit einem zünftigen „Bravo, gut gemacht“, oder einfach „Gratuliere“.

Aber gratulieren wozu? Etwa zum Gipfelsieg? Noch so ein Wort, dieses “Gipfelsieg”. Als könnte man einen Gipfel besiegen. Muss irgendwas mit den Filmen von Luis Trenker oder der doch eher männerbündnerisch- militärischen Ausrichtung der frühen Alpenvereine zu tun haben. Klingt eigentlich nur mehr lächerlich.

Aber zurück zum „Berg Heil“. Brauchen wir es noch, dieses Heil? Haben wir Alternativen?

Angeblich soll man sich in alten Zeiten in den Südtiroler Bergen gegenseitig ein freundliches „Zeit låssen“ empfohlen haben. Jemandem sagen, er möge sich Zeit lassen, ihm sozusagen den großen Luxus der Zeit wünschen, das wäre doch das größte Geschenk überhaupt. In unserer oft getriebenen Welt ist Zeit etwas enorm Wertvolles. Vielleicht wäre ein ruhiges „Zeit låssen“ angemessener als ein kerniges „Berg Heil“.

Vielleicht.

Zur Startseite