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Sentres Magazin – Natur & Umwelt

Aussicht auf Aussicht

Die Bedeutung einer schönen Aussicht ist mir erst bei meinem Aufenthalt im Flachland so richtig gedämmert.

Der Flachländer nimmt lange, mühselige Anfahrten in Kauf, um an klaren Tagen auch nur aus respektvoller Ferne ein paar blau schimmernde Berge am Horizont auszumachen. Spielt das Wetter nicht mit - in der Ebene häufig mit Nebel gleichzusetzen - hat er doch eine so stark ausgeprägte Imagination, dass er die Berge vor seinem inneren Auge sehen kann.

Südtirol. Land der Berge.
Je näher man dem Himmel kommt, umso gewaltiger das Panorama. Heiliges Schaudern könnte einen vor lauter Rundsicht überfallen. Selbst von der Landeshauptstadt Bozen aus ist die Aussicht auf Südtiroler Symbolberge wie Rosengarten und Schlern eine grandiose. Es reicht ein abendlicher Spaziergang auf der Bozner Wassermauerpromenade, um Laurins Reich in zartem Rosa, später in kräftigem Orange aufleuchten und schließlich in kühlem Grau verlöschen zu sehen. Und die Freiheitsstraße, die Talferbrücke und selbst die Laubengasse scheinen so angelegt, dass man quasi bis zur Kölnerhütte immerzu geradeaus fahren könnte.

Hohe Berge - Schranken im Kopf?
Dabei heißt es doch immer mit einem gar nicht so leisen Unterton an subtiler Kritik, dass Berge die Sicht verstellten. Auf das Dahinterliegende. Obgleich wir wissen, dass der/die SüdtirolerIn an Weltoffenheit dem Flachlandbewohner in keiner Weise nachsteht, hält sich doch hartnäckig das Gerücht, Menschen aus Bergregionen seien kleinkariert. Es fehle ihnen an Weitblick. Weil Gebirge Schranken darstellten, die sich in den Köpfen und Herzen der dort Lebenden als Beschränktheit niederschlügen. Während also der Flachländer uneingeschränkte Sicht auf alles Neue habe, sei der Älpler engstirnig und traditionsbewusst.

Ob nun vorgeburtliche Erinnerung, Erziehung, Erfahrung oder der Allmächtige den Charakter eines Menschen prägen oder alles zusammen, immer wieder werden Stimmen laut, für die Landschaft das zentrale Element der Charakterformung darstellt. Doch was ist eigentlich Landschaft? Ein Bild räumlicher Umwelt, ein mentales Konstrukt, ein gesellschaftliches Konzept?

Die Magie der Aussichtspunkte.
Woher kommt die Suche nach dem vollkommenen Panorama? Eine Aussicht haben beinhaltet Möglichkeiten und Chancen. Wer viel überblickt, hat eine gute Aussicht. Die goldene Ära der hölzernen Aussichtswarten ist vorbei, aber Aussichtspunkte ziehen einfach magisch an. Aussichtsbänke, Aussichtsterrassen, Aussichtsplattformen laden zum Verweilen und kontemplativen Schauen ein, und in jeder Wanderkarte sind Aussichtspunkte mit Symbolen bezeichnet. Panoramawege mit stundenlanger atemberaubender Aussicht sind die zeitlich in die Länge gezogene Aussichtsbank. Der ausgedehnte Gipfelblick. Das verlängerte Gipfelerlebnis.
Bei den meisten von und gehört ein bisschen Anstrengung wohl zur Sucht nach der schönen Aussicht, sonst wäre sie längst nicht so schön.

Festhalten des Augenblicks.
Was denken, was fühlen wir, wenn wir Aussicht genießen? Warum lassen wir unseren Blick so gern in die Ferne schweifen? Das Phänomen Panorama ist ein durch und durch romantisch-modernes. Und wir betrachten es am Liebsten durch unsere mitgeführte Digitalkamera. Immer weniger genießen wir es einfach. Wir halten sie fest, auf unserer Speicherkarte, die Aussicht, damit sie in unserem Inneren nicht verlorengeht. 

Da lob ich mir den Flachländer, der selbst im Nebel ahnt, dass dort hinten, ja, genau dort, weit weg, ein paar blaue Berge stehen.

Eine Gute Aussicht verspricht das Knottenkino bei Meran, das Hochplateau Ritten, das Sarner Weißhorn, der Salten bei Jenesien.

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