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Sentres Magazin – Geschichte & Kultur

Almabtrieb in Schnals

Beim Almabtrieb in Schnals kommen im Herbst hunderte Schafe von den Almen ins Tal zurück. Statt Sommerfrische gibt’s nun wieder Stallgeruch.

Ein großer wuscheliger Wollteppich schiebt sich durch die Gassen von Karthaus. Von oben prasselt der Regen nieder, unten kämpfen Tausende Beine um ein Weiterkommen, dazwischen sorgt ein lautstarkes Blök- und Glockenkonzert dafür, dass auch der letzte Einwohner des Schnalser Dorfes merkt: Wir sind da! Gemeint sind rund 600 Schafe, die sich vor zwei Stunden oben auf der Penauder Alm verabschiedet haben, um heimzukehren in ihre Ställe.

Es ist der 18. September – Almabtrieb in Schnals. Gerade rechtzeitig vor dem ersten Schnee haben es Tiere samt Hirten heuer ins Tal geschafft. Es ist ein freudiger Tag für die Vinschger Bauern, die ihre Schafe jeden Sommer hierher ins Schnalstal auf die 2300 Meter hoch gelegene Penauder Alm bringen. Dort oben gibt es auch in trockenen Sommern reichlich Futter, und im Herbst holen die Bauern ihre Tiere dann wieder ab. Nicht ganz so imposant wie der weitum bekannte Abtrieb der über 2000 Schafe vom Ötztal nach Südtirol ist das Fest in Karthaus. Aber die Tradition ist dieselbe – und die Gepflogenheiten sind es auch: Das Hirtenfest, das Krapfenessen und das Scheren einiger Schafe gehören dazu.
      
Fast wie Erntedank

Almabtriebe sind in Südtirol und überhaupt im Alpenraum seit jeher fester Bestandteil des Jahreslaufes der Bergbauern. Zwischen September und Oktober wird das Vieh zu Tal getrieben, nachdem es den Sommer über die Weideflächen oberhalb der Baumgrenze abgegrast hat. Die Bauern konnten sich in dieser Zeit auf das Einbringen von Heu konzentrieren, sind nun aber froh, wenn der Hirte ihnen keine größeren Verluste zu melden hat und ihr Kapital wieder im Stall ist. Deshalb ist der Almabtrieb als eine Art Erntedankfest zu verstehen. Womit sich übrigens auch der Kopfschmuck erklären lässt, den die Kühe bei ihrem Einzug in die Dörfer meistens tragen.

Wollmantel statt Kopfschmuck

Die Schafe im Schnalstal lassen sich für solcherart Festtagsgewand heute nicht begeistern. Ihnen reicht der dicke Wollmantel, den sie zu Saisonende tragen. Und Lust auf Stallgeruch haben sie nach der Sommerfrische ohnehin nicht. Im Gegenteil, zwischendurch nimmt ein wolliger Geselle Reißaus, um wieder hinaufzusteigen und die Freiheit der Berge zu genießen. Hirten, Gehilfen und Hirtenhunde haben alle Hände und Pfoten voll zu tun, um die nervöse Bande im Zaum zu halten. Es scheint als wüssten die Schafe, was ihnen heute blüht. Unten beim Pifrailhof, am Ortsende von Karthaus, steht ein großes Gehege. Dort wird nach der Ankunft aussortiert: die Blau-Roten, die Grünen, die Gelben. An den Rückenmarkierungen erkennen die Bauern ihre Tiere und locken sie in stundenlanger schweißtreibender Arbeit in unterschiedliche Abteilungen des Geheges und von dort in die Transportwagen. Ab geht’s nach Hause.

Unter Polizeigeleit

Nicht für alle Schafe endet die Sommerfrische im Viehwagen. Manche Herden werden an diesem Tag weiterziehen -  über die Schnalser Straße hinunter ins Tal und von dort wieder hinauf auf ihre Vinschger Heimathöfe. Es ist ein langer Marsch, mit „einer Schafstärke“ Geschwindigkeit, einem ehrenvollem Polizeigeleit und mit Vorfahrt gegenüber allen anderen Verkehrsteilnehmern. Zu Hause wartet erst einmal die Schere auf ihren Einsatz bei den Schafen. Zweimal im Jahr ist „Friseurtermin“. Die Wolle können die Bauern heutzutage allerdings nicht mehr verwerten. Zu viel Arbeit für zu wenig Geld, sagen sie. Da lohnt sich höchstens die Zucht von edlen Tieren und der Verkauf von Lammfleisch. Von Letzterem wissen die winzigen Knäuel in der Herde zum Glück noch nichts. Aber zumindest hatten sie es fein da oben in der Sommerfrische.
 

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