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Sentres Magazin – Geschichte & Kultur

100 Jahre Pößnecker-Klettersteig

Am 24. August 1912 wurde der Pößnecker-Klettersteig eröffnet. Der älteste Klettersteig Südtirols feiert somit heuer sein 100-jähriges Bestehen.

Pößneck, ein Städtchen mit 13.000 Einwohnern - dass ausgerechnet dieser unscheinbare Ort im ostdeutschen Thüringen den Grundstein für Südtirols Klettersteig-Geschichte gelegt hat, mag aus heutiger Sicht eigenartig erscheinen. Doch damals vor 100 Jahren – Südtirol war noch Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie – war der Deutsch-Österreichische Alpenverein (DÖAV) in den Dolomiten sehr aktiv. Zahlreiche Hütten und Wege wurden errichtet, um „die Liebe zu den Alpen zu  verbreiten und sie zu bereisen“, wie es in den Alpenvereinssatzungen hieß.

Pionierarbeit
Auch die kleine Sektion Pößneck beschloss im Jahr 1910, in den Dolomiten ein Zeichen ihrer Aktivität zu setzen. Zwischen dem von der Sektion Bozen errichteten Sellajochhaus (2180 m) und der Bamberger Hütte (2873 m) sollte eine direkte Verbindung über den Fels entstehen. Die Bamberger Hütte - heute Boé-Hütte - war 1894 gebaut worden.
Zwei Sommer lang wurde unter der Leitung eines Grödner Maurermeisters an einem mit Stahlseilen versehenen Steig hinauf auf das Sella-Plateau gebaut – ungefähr in jenen Felsverlauf, wo dem Bozner Bergsteiger Paul Mayr und dem Würzburger Gabriel Haupt 1907 die Erstbesteigung des Piz Selva (2941 m) gelungen war.

Die Eröffnung
Gleich nach der Fertigstellung wurde der Pößnecker Klettersteig am 24. August 1912 mit einem zweitägigen Fest offiziell seiner Bestimmung übergeben. In der Einladung zum Fest hieß es unter anderem: „Die Begehung des Pößnecker Weges erfordert für Mindergeübte einen Führer.“
Die Pößnecker waren stolz auf ihr gelungenes Werk. „Die großartige Kühnheit des Gedankens, einen Durchstieg durch die senkrechten Wände der Sella zu bahnen, die Großzügigkeit und technische Kunst, womit dieser Gedanke verwirklicht wurde, werden dieser neuen Anlage einer opferfreudigen, kleinen Sektion den gebührenden Ehrenplatz in der Geschichte des hochalpinen Wegebaus sichern“, schrieb der DÖAV damals in seinen Mitteilungen.

Beliebt wie eh und je
Nun, die wechselvolle Geschichte, die Südtirol in den darauffolgenden Jahrzehnten geprägt hat, ließ diesen Ehrenplatz wohl etwas verkümmern.  Nach dem 1. Weltkrieg zogen sich die Sektionen des Alpenvereins gezwungenermaßen aus Südtirol zurück. Der 2. Weltkrieg und die Nachkriegszeit drängten das Interesse an der Besteigung von Bergen ebenfalls in den Hintergrund. Und so dauerte es bis in die sechziger und siebziger Jahre, in denen ein regelrechter Bergsteiger-Boom zahlreiche Klettersteige in den Alpen entstehen ließ.
Doch auch 100 Jahre nach seiner Eröffnung hat der Pößnecker-Klettersteig nichts von seiner Faszination verloren. Er zählt zu den schwierigsten und auch meistbegangenen  in den Dolomiten. Die vormittags ausschließlich im Schatten gelegene Route, die teilweise senkrechten Blicke ins Tal, einige ungesicherte Stellen und ein enger Kamin erfordern neben Schwindelfreiheit auch Armkraft und eine ordentliche Portion „Schneid“.

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