Vorfahrt für Radfahrer auf den Radwegen?

Sehr geehrter Hr. Landeshauptmann. Magazin

Lieber Luis. Ich hätte ein Anliegen. Du wirst jetzt also fragen: Worum geht’s?

Ja, worum geht’s? Es geht um die Radwege. Wir haben eine ganze Menge davon, auch dank Deiner Initiative und Unterstützung. Da möchte ich jetzt einfach mal ein Kompliment aussprechen. Bravo, gut gemacht! Muss ja auch mal gesagt sein. Wenn demnächst auch noch der Radweg bis hoch zum Brenner fertig gestellt ist, haben wir ein umfassendes Wegenetz, um das uns die Radler anderer Provinzen beneiden.

Jetzt kann jeder wie es ihm beliebt vom Reschen bis Salurn und von dort wieder nordwärts bis zum Brenner in flottem Tempo oder gemächlicher Gangart dahin rollen. Radeln ist in, ist Trend, jeder radelt, von jung bis alt, Gäste und Einheimische und immer mehr durchreisende Gruppen. Ausgezeichnet!

Aber Stopp! Es ist Frühling. Da wird ausgeschwärmt. Alles schwärmt, von der Wärme, der Luft, den Gefühlen, und wer ein Rad oder Beine hat ist unterwegs. Und da beginnt das eigentliche Problem. Alle treffen sich auf den Radwegen. Die gefühlt halbe Südtiroler Bevölkerung befleißigt sich körperlicher Ertüchtigung auf unserem wunderbaren Radwegenetz. Dahin schlendern, Kinderwagen schiebend, in Vierergruppen nebeneinander in tiefsinnige Gespräche vertieft, stundenlange Gespräche am Telefon führend, bewegt sich das Volk in wogenden Massen auf den Radwegen dahin. Manche laufen sogar, man hält es kaum für möglich.

Der naive Radfahrer wundert sich über die praktische Unmöglichkeit, das für ihn gebaute Wegenetz gefahrlos zu nutzen, weil bereits besetzt. Daher desertiert er die für ihn errichteten Wege und behindert auf den Landes- und Gemeindestraßen eilige Zeitgenossen in flotten Karossen. Und tatsächlich, alle überörtlichen Radwege (heißt das wirklich „überörtlich“?) sind auch als Fußwege ausgewiesen, manche sogar als Wanderwege mit Markierung. Muss das wirklich sein?

In Südtirol gibt es circa 16.000 km ausgeschilderte Wanderwege, hunderte Kilometer Gehsteige, von den wunderschönen Promenaden will ich erst gar nicht schreiben. Viel Spielraum für die Anhänger des gepflegten Spaziergangs. Die Radwege auch noch für Fußgänger auszuweisen, wäre wirklich nicht notwendig gewesen.

Lieber Luis, glaubst du nicht auch, das könnte gefährlich werden, Kinderwagen und Rennrad auf derselben Strecke? 3 kmh gegen 30 kmh. Da könnte man ja auch die MeBo für Radfahrer freigeben! Also, wenn mal etwas Schlimmes passiert, was wir alle nicht hoffen, dann sag bloß nicht, ich hätte es Dir nicht gesagt. Und sag mir jetzt nicht, da müssen die Radler eben aufpassen und langsam fahren, wenn möglich im Schritttempo. Da kann ich den Drahtesel gleich im Keller lassen und zu Fuß gehen. Da hätten wir uns das Geld für die Radwege sparen können.

Bitte sei doch so gut und schau dir das Problem mal genauer an, vielleicht bei einer Radtour durch das Bozner Unterland, am besten an einem sonnigen Sonntag.

Mit den besten Grüßen

article
151
Sehr geehrter Hr. Landeshauptmann.
Lieber Luis.
Ich hätte ein Anliegen. Du wirst jetzt also fragen: Worum geht’s?
http://www.sentres.com/de/magazin/sehr-geehrter-hr-landeshauptmann
2011-04-04 16:41:25 +0200
http://www.sentres.com/photos/19556/thumb_150/sehr-geehrter-hr.-landeshauptmann.-magazin.jpg